Zivildienstleistende

 

Mein Zivildienst an der Eccola

Als ich bei der Eccola begann, war ich frisch mit dem Psychologie Bachelorstudium fertig und hatte bis dahin, abgesehen von meinem ersten Zivildiensteinsatz im Sonnenhof Arlesheim, keine Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen.
Dennoch dachte ich mir, dass es eine spannende Erfahrung werden könnte und ich mit meinem Studium etwas beitragen kann.

Die Arbeit mit den Kindern ist sehr vielseitig, schön wie auch anstrengend.
Die erste Herausforderung für mich bestand darin, eine Position zu den Kindern zu finden und zu festigen. Das Spektrum reicht von Hilfslehrer bis zu grosser Bruder. Dazu brauchte ich doch einige Zeit, was, so glaube ich, normal ist. Zum einen kennt man als Neuling weder die Sitten der Eccola noch die Kinder, und zum anderen testeten diese bei mir schon von der ersten Woche an die Grenzen aus. Anfänglich war ich zu nah an den Schülern und merkte selbst, dass dies über längere Zeit nicht funktionieren würde. Speziell fand ich die Tatsache, dass ich zu vielen Kindern nur sehr langsam eine Beziehung aufbauen konnte. Zwar entstanden ein Grundvertrauen und eine gewisse Stabilität relativ schnell, doch eine gesunde Kooperation blieb schwierig.
Der Alltag als Zivi in der Eccola ist mit keiner mir bekannten Regelschule zu vergleichen. Um sich zumindest ein vages Bild davon machen zu können, lässt man am besten seiner dunklen Phantasie freien Lauf. Es wird alles getan, was sich kein Regelschüler je trauen würde. Stifte, Hefte, Stühle, Tische lernen fliegen, „Gib Papier, Sch*******!" zum Lehrer wird zum guten Ton, Verweigern wird Standard und mehr als 10min zu arbeiten wirkt schon beinahe elitär. Eine solche Klasse noch zu karikieren, wäre wohl eine Meisterleistung.
Dennoch sind nicht nur zähe Nerven, sondern auch viel Sensibilität, Empathie und Geduld gefordert. Am wichtigsten finde ich, dass man eine gewisse Coolness an den Tage legen kann und sich in Konflikten nicht zu sehr mitreissen lässt. Dann machen die Schulstunden auch richtig Spass.
Je länger ich an der Eccola arbeitete und je besser ich die Kinder kennenlernte, desto einfacher wurde es. Gleichwohl ist jeder Tag anders und kann sehr schnell vom ruhigen Arbeiten ins Chaos kippen.
Meine Aufgaben waren sehr divers. Sie reichten von Einzelbetreuung über Ausflugshilfe bis Döggelipartner. Es gab Tage, an denen ich in der Klasse kaum etwas zu tun hatte und es gab Tage an denen ich nach Schulschluss direkt Schlafen ging.
Als Zivi öffnet man den Lehrpersonen viele Tore. Zum einen ist eine weitere Person anwesend, die beruhigen kann, und zum anderen kann die Klasse auch unterteilt werden. Sei es, dass ein Unruhestifter zum Arbeiten ins Nebenzimmer geschickt werden kann oder dass man einfach zwischen zwei Störer sitzen kann.

Neben den Schulstunden war ich mit der Aufgabe des Hausmeisters betraut worden. Konkret hiess das Fensterrestauration, Reparaturen, Streicharbeiten, Hausarbeiten und so fort. Währenddessen war ich sehr frei und war immer mit etwas beschäftigt. Die Eccola befindet sich in einem alten Haus, da ist immer etwas zu tun. So kann man sich auch selbst Projekte ausdenken.
Während diesen Stunden fand ich die Zeit, die Vormittage Revue passieren zu lassen, mir um ein Kind Gedanken zu machen und Situationen zu verarbeiten. Ausserdem war ich oftmals einfach glücklich, alleine einer Arbeit nachgehen zu können.

Anfänglich war ich ein wenig skeptisch, ob es als einziger Zivi in einem Betrieb nicht langweilig werden könnte. In der Eccola ist diese Befürchtung überflüssig.

Das Team war sehr bereichernd und eine grosse Stütze. Schon in der ersten Woche begann ich mich wohl und vor allem auch ernstgenommen zu fühlen. Ich wurde gut integriert. Im Team herrscht eine lockere und freundliche Atmosphäre, in der es auch sehr lustig zugehen kann.
Äusserst hilfreich empfand ich die Tatsache, dass man nach den Schulstunden wie auch zwischendurch allerlei besprechen konnte. „War das ok, wie ich da reagiert habe?", „Was war diese Woche mit Schüler XY los?"
Alle drei Wochen findet eine Supervision statt, an der ich auch teilnahm. Dies schätzte ich sehr. Zum einen, weil ich dies nicht als selbstverständlich erachte und zum anderen, weil ich dort vieles über die Schüler erfahren konnte.

Der Zivildiensteinsatz hat mir überaus gefallen und schon nach kurzer Zeit betrachtete ich ihn eher als ein Praktikum denn als eine Pflicht.
Auch wenn ich immer wieder einmal dachte, dass diesen Kindern nicht zu helfen sei, muss ich doch zugeben, dass sich schon in meiner kurzen Zeit einiges verändert hat. Es war eine spannende und zudem lehrreiche Zeit.

P.R.

 

Zivildienst an der Eccola
Persönliche Erfahrung
An meinem ersten Arbeitstag sass ich selbst zum ersten mal vor Schülern in einer Klasse.
 Neben mir der Lehrer, der mich kurz vorstellte und dann, wie gewohnt mit seinem Unterricht fortfuhr.
 An diesem Tag bestand meine Aufgabe lediglich darin, dazusitzen und zuzuhören. 
Ich war erstaunt, wie diese Kinder mir gegenüber – entgegen meinen Erwartungen – nicht schüchtern auftraten. Das Gegenteil war der Fall. Ich war still und sie fragten munter drauf los, was für eine Nationalität ich habe, wie meine Vorname sei oder ob ich eine Freundin habe. Kurz: Viele mehr oder weniger persönliche Fragen.
 Mit fortschreitender Zeit wich auch der letzte Rest Müdigkeit der Kinder und es wurde lauter und wilder. Ich war begeistert davon, wie der Lehrer mit Humor damit umging. Dies war der Moment, in dem ich das Ausmass des Unterschieds zwischen der Eccola und anderen Schulen begriffen hatte. Es wurde genau auf jedes einzelne Kind eingegangen. Es wurde angeschaut wo das Kind schulisch stand und was es brauchte um seine Fähigkeiten zu verbessern. Die auftretenden  Konflikte wurden gleich angesprochen und ausgetragen.
Im Laufe der Zeit lernte auch ich den richtigen Umgang mit den Kindern, bzw. einen Umgang der mir richtig erschien. Ich hatte spannende Gespräche mit den Kindern und – zumindest im Nachhinein – genau so spannende Auseinandersetzungen. Gleichzeitig gab es aber auch oft Situationen, in denen ich sehr gut mit den Kindern arbeiten und ihnen schulisch helfen konnte.

Einige Kinder sahen mich als eine Art Lehrer, andere konnten sich damit nicht abfinden. Sei es wegen des geringeren Altersunterschieds oder der Tatsache, dass ich keine Lehrerausbildung gemacht hatte. Dies war ein Faktor, der zu weiteren Konflikten mit den Kindern führte und/oder diese auf eine andere Ebene brachte. Für mich war das teilweise sehr anstrengend, da ich immer wieder um meine Machtposition kämpfen musste. Dadurch bot sich mir aber auch die Möglichkeit, die ganze Situation der Kinder aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Ich denke, dass ich mich unter anderem auch dadurch gut in den Teamsitzungen einbringen konnte, von denen ich positiv überrascht war. Ich erwartete Sitzungen, in denen lediglich Dinge wie Stundenplan, Lehrplan und andere administrative Notwendigkeiten besprochen werden. Dass aber in den wöchentlich stattfindenden Sitzungen auch die aktuelle Situation jedes Schülers besprochen wurde, zeigte mir wie sehr die Kinder als einzelne Individuen gesehen wurden und nicht als homogene Gruppe, die alle das Gleiche benötigen.
Ich selbst habe in dieser Zeit viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und hatte, sowohl mit den Kindern, als auch mit dem Lehrerteam eine sehr angenehme und schöne Zeit.

Herzlichen Dank
K.B.

Powered and Template by CMSimple_XH | Modified by ZGG | Login