Jahresberichte


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  Vexierbild (Rückblick auf die ersten sechs Jahre)

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2001/2002 Unser erstes Schuljahr

Am 13. August 2001 konnten wir nach zweijähriger Vorarbeit die private Kleinschule Eccola für Kinder und Jugendliche in Schulschwierigkeiten eröffnen. Ohne die beträchtliche finanzielle Starthilfe der Claire Sturzenegger-Jeanfavre-Stiftung wäre dies nicht möglich gewesen. Wir starteten mit acht Schülern, je drei verteilt auf zwei Schulklassen, zwei andere Buben besuchten die Eccola ausschliesslich im Einzelunterricht.

Die ersten paar Wochen gestalteten sich äusserst schwierig. Erst jetzt wurde im vollen Ausmass klar, was es heisst, mit sogenannt ausgeschulten Kindern eine Schule zu führen. Jedes dieser Kinder trug einen Rucksack, voll gepackt mit verstörenden Erfahrungen, die sie uns gleichsam vor die Füsse kippten mit der verzweifelten Aufforderung, etwas zu tun.

Wie etwa Max*, der mit seinen 12 Jahren schon seit Kindergartentagen auf keinen Ausflug, auf keine einzige Schulreise mehr mitgenommen wurde, weil er sich schon damals gegen jede Begrenzung wehrte und sich über jede Form sozialer Spielregeln hinweg setzen musste. So bedeutete es für ihn ein Ereignis, an unserem wöchentlichen Ausflug, mit Picknick und Feuer im Wald, teil zu haben. Von Anfang an hat er dann auch seine sämtlichen Register gezogen: schmeissen von Steinen, unflätiges Beschimpfen wildfremder Leute, Hänseln, Sticheln und Schlagen seiner Mitschüler, Glockenzüge ... Selbst im Rahmen der Eccola war dieses Verhalten fast nicht zu verkraften.

* Name geändert

Neben der Herausforderung, solch "wilden Tiger" soweit zu zähmen, dass ein einigermassen geordneter Schulbetrieb möglich wurde, mussten wir uns in diesen ersten Wochen auch im Team zusammenfinden. Dies alles unter der zusätzlich erschwerten Bedingung, dass die Renovation des Schulhauses noch bis Ende September im Gange war. Überall lagen gefährliche Werkzeuge herum, rund ums Haus stand immer noch das Baugerüst.

Nach dieser recht stürmischen Anfangszeit haben sich die Wellen langsam gelegt und es begann sich etwas wie ein Eccola-Alltag einzuspielen – insbesondere dann, als wir im Dezember 2001 dank des neuen Schulraumes (Container im Garten) die Primarschüler und Jugendlichen räumlich voneinander trennen konnten. Zwischen Oktober/November 2001 bis Januar 2002 wurden vier weitere Schüler aufgenommen, so dass wir das erste Schuljahr Ende Juni 2002 mit zwölf SchülerInnen folgendermassen abschliessen konnten: Ein 16jähriger Schüler hat an der Eccola seine obligatorische Schulzeit beendet, unsere einzige Schülerin konnte nach dem halben Jahr bei uns ganz zurück in eine WBS-Regelschule, ein 15jähriger Schüler wird an der Minerva ab neuem Schuljahr 2002/2003 an drei Tagen pro Woche eine Vorbereitungsklasse fürs Gymnasium besuchen, ein 12jähriger Schüler konnte ab Ostern teilweise in eine 1. OS Musikklasse integriert werden. Ein weiterer Schüler besucht nach einem halben Jahr Einzelunterricht eine OS-Kleinklasse. Die verbleibenden sieben Schüler werden ein weiteres Jahr an der Eccola bleiben.

Im August 2002 eröffneten wir aufgrund der allgemein grossen Nachfrage eine dritte Klasse, so dass wir im zweiten Jahr mit 16 Kindern starten konnten – zwölf Kinder verteilt auf drei Klassen, vier Kinder im Einzelunterricht.

Finanzen

Im April 2002 durften wir von der Dr. Hedwig Stauffer-Stiftung einen Preis von Sfr. 10'000.– für besondere heilpädagogische Verdienste entgegennehmen. Dieses Geld wurde für die Elternberatung verwendet. Die ersten Früchte dieser Arbeit zeichnen sich schon ab.
Eine weitere grosszügige Unterstützung von zwei mal Sfr. 30'000.–, verteilt auf zwei Jahre, erhielten wir von der Singenberg-Stiftung. Damit wurde es möglich, die individuelle Einzelförderung gemäss unserem Konzept wahr zu machen. Konkret bedeutet dies für sieben Kinder eine ganze Jahresstunde zusätzlichen Einzelunterricht, in dem besondere Begabungen gefördert werden können: Mal- und Musikstunden, Legasthenietherapie, Filmprojekte, experimentelle Musik in einem Musikstudio, usw. Wie die Praxis zeigt, ist es oftmals genau jene spezifische Förderung, die dem Kind zu einem grösseren Selbstvertrauen verhilft.
Der Quartierverein Kornfeld in Riehen spendete uns anlässlich seines Quatiersfestes im letzten August Sfr. 1'500.–. Mit diesem Geld konnten wir uns endlich einen Teil der fehlenden Musikinstrumente leisten.
Vielen herzlichen Dank für all diese grosszügigen Spenden, die uns, abgesehen vom ganz reellen praktischen Wert, auch in gefühlsmässiger Hinsicht eine wertvolle Unterstützung bedeuten.

Riehen, 4.3.2003
Die Schulleitung
Brigitta Wisselaar Rickli

 

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2002/2003 Unser zweites Schuljahr

In Anbetracht der doch sehr lebhaften Dynamik im Alltag der Eccola sind wir dankbar, dass nun auch unser zweites Schuljahr glücklich und ohne wirklich gefährliche Vorkommnisse abgeschlossen werden konnte.

Einiges an Selbstverständlichkeiten, wie etwa die Pausenregeln, der Ausflug am Donnerstag usw., hat sich eingespielt, was sowohl zu einem beruhigteren Klima geführt hat, als auch neu eintretenden Schülern sofort etwas Halt zu geben vermochte. Wir stellen fest, dass sich unsere Schüler an der Eccola wohl fühlen, dass sie sich mit ihrer Schule identifizieren und dies, wenn es darauf ankommt, auch mit Stolz nach aussen vertreten.

Nach wie vor kostet es Max (er wurde schon im letzten Jahresbericht erwähnt) eine Riesenüberwindung, auch nur die einfachsten Regeln zu befolgen. So wehrt er sich täglich mit allen Mitteln, Tricks und Ausflüchten, Hausschuhe anzuziehen. Am ersten Schultag nach den Osterferien hat dieses erbitterte Seilziehen einen zeitlichen Höhepunkt von sage und schreibe 20 Minuten erreicht. Während Max dann endlich mit Finken die Treppe ins Klassenzimmer hochstapft, erlaubt sich sein erschöpfter Lehrer unten an der Treppe eine kurze Verschnaufpause und hört dabei, wie Max mit einem tiefen Seufzer vor sich hin murmelt: "Endlich wieder Boden unter den Füssen".

Nichtsdestotrotz bedeutet diese Arbeit für uns Lehrpersonen eine grosse Herausforderung. Die verzweifelte, oft sehr destruktive Kraft unserer SchülerInnen bringt uns zeitweise auch an die eigenen Grenzen und wir sind froh um die regelmässige Supervision mit Prof. Dr. E.E. Kobi. Hier und in unseren wöchentlichen Teamsitzungen schöpfen wir neuen Mut und finden, nicht zuletzt übers Lachen, zur nötigen Distanz zurück.

Inspirierend waren auch die drei Vortragsabende Philosophie am Gatternweg mit Dr. S. Brotbeck. Ein erweiterter Kreis von ca. 20 pädagogisch/philosophisch interessierter Personen hat sich mit dem Thema Das Wagnis zu scheitern – Nadelöhr zum Gelingen auseinandergesetzt. Dieser Vortragszyklus wird monatlich auch im neuen Schuljahr weitergeführt.

Schüler

Wir starteten das neue Schuljahr 02/03 mit 16 Kindern; 13 Schüler verteilt auf drei Klassen, 7 Schüler im Einzelunterricht. 7 der 16 SchülerInnen konnten wir Ende des Schuljahres verabschieden. Zwei 16-jährige haben ihre Schulpflicht erfüllt, die fünf anderen Kinder konnten in eine Regelschule reintegriert werden, wobei zwei davon noch weiterhin 2-4 Einzellektionen an der Eccola besuchen werden.

Zur Finanzlage

Ein leidiges Kapitel war und ist der aufreibende Kampf um Kostengutsprachen. Im Zugzwang der allgemeinen Sparmassnahmen übernimmt das Erziehungsdepartement ab Schuljahr 2003/04 im besten Fall noch die Hälfte der Kosten pro Kind. So waren wir im letzten halben Jahr, zusammen mit dem Schulpsychologischen Dienst und mit dem Amt für Kindes- und Jugendschutz immer wieder mit der bedrückenden Situation konfrontiert, dass so und so viele Kinder dringend einen Schulplatz an der Eccola benötigt hätten, dafür aber zuwenig Geld vorhanden war und ist. Abgesehen davon war für uns auch der lange Weg durchs Dickicht der Bürokratie immer wieder sehr Kräfte raubend. Da es sich bei unseren SchülerInnen meist um Notfälle handelt, wären wir auf rasche Handlungsmöglichkeiten angewiesen. Dies und die ganze Frage bezüglich Kostengutsprachen muss noch gelöst werden.

Trotz allem zeigt der Abschluss per 31.12.2002 ein überraschend gutes Resultat. Wir haben mit einem viel grösseren Defizit gerechnet, als dies nun der Fall ist. Ursprünglich gingen wir von einem Zeitrahmen von fünf Jahren aus, bis unser Projekt hätte selbsttragend werden können. Dass dies, wenn nicht der überraschende finanzielle Einbruch seitens des Erziehungsdepartementes passiert wäre, sich schon heute abzeichnen könnte, freut uns trotzdem.

Aktueller Stand und Zukunft

Aufgrund der beschriebenen Restriktionen, konnten wir das neue Schuljahr mit nur 11 SchülerInnen starten, so dass wir zum jetzigen Zeitpunkt mit einer grossen Kosteneinbusse konfrontiert sind, welche aus eigener Kraft nicht behoben werden kann. Zudem haben wir Kenntnis von mindestens drei Kindern, die im neuen Schuljahr aufgrund dieser Situation zu Hause bleiben müssen, obwohl hier an der Eccola ein Platz für sie reserviert wäre.

Die einweisenden Stellen (Amt für Kindes- und Jugendschutz, Schulpsychologischer Dienst, Kinder- und Jugendpsychiatrische Universitätsklinik) bestätigen uns den nach wie vor dringenden Bedarf unseres Angebots. Es gibt im ganzen Raum Basel nichts Vergleichbares und so hoffen wir, dass mit den behördlichen Finanzstellen, insbesondere mit der IV-Stelle BS/BL und mit dem Ressort Sonderpädagogik eine Einigung erzielt werden kann, ansonsten unser Projekt längerfristig sicher gefährdet ist. Einige Verhandlungen sind schon im Gange und scheinen einen positiven Verlauf zu nehmen.

Im Mai 2002 durften wir einen Preis von CHF 10'000.– entgegen nehmen. Wir haben diesen Betrag aufs Konto der Elternberatung genommen, welches nun aufgebraucht ist. Da sich diese Arbeit ausserordentlich bewährt hat, werden wir uns mit der Bitte um Finanzierungshilfe an weitere Stiftungen wenden. Eine weitere namhafte Unterstützung in der Höhe von CHF 30'000.– erhielten wir für Förderstunden. Mit diesem Betrag können wir gezielte, auf die einzelnen Kinder passende Förderstunden (Klavierunterricht, Legasthenie-Therapie, etc.)finanzieren. Auch dafür werden wir uns an weitere Stiftungen wenden, um dies auch in Zukunft weiterführen zu können.

Riehen, 18.8.2003
Die Schulleitung
Brigitta Wisselaar Rickli 

 

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2003/2004 Unser drittes Schuljahr

Das erste Semester im letzten Schuljahr war mit seinen Lehrer- und Schülerwechseln bewegt und gar mancher Sturm ist durch die eccola gebraust. Trotz theoretischen Wissens sind wir in der Praxis doch immer wieder erstaunt, wie sehr ein neuer Schüler das bestehende Gefüge einer Klasse durcheinander bringen kann. Wir haben das Schuljahr mit vier neuen Schülern begonnen.


Im personalen Bereich haben ebenfalls einige Wechsel stattgefunden. Ursula Schäfer, Klassenlehrerin der zweiten OS-Stufe, musste uns aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Astrid Ronchi, Lerntherapeutin und zuständig für die SchülerInnen im Einzelunterricht, hat in der Job Factory ein neues Tätigkeitsfeld gefunden. Annemarie Arnold, zuständig für den Kochunterricht, pausiert in Folge mangelnder Lehrerstunden unsererseits und hält aber dankenswerterweise ihr Pensum für eine allfällige Wiederaufnahme offen.
Wir vermissen die drei Frauen, insbesondere ihre je individuelle Färbung von Anteilnahme, die sie unseren Schülern entgegengebracht haben.

Nachdem sowohl die alten als auch die neuen Schüler ihren Platz in der Gruppe erstritten und neu definiert haben, verlief das zweite halbe Jahr ruhig und "schaffig". Karin Schaub hat sich freundlicherweise bereit erklärt, einen Teil des Pensums von Frau Schäfer aushilfsweise zu übernehmen. Wir bedauern, dass dies beim "aus-hilfsweise" bleiben musste.



Wie die beigelegte Statistik (siehe unten) zeigt, erreichten wir in unseren ersten drei Schuljahren bezüglich Reintegration eine gute Durchschnittsquote. Von den insgesamt 32, resp. 25 Vollzeitschülern, die in den vergangenen drei Jahren die eccola vollzeitmässig besucht haben, sind nur noch 3 Schüler bei uns, die seit Anfang dabei waren. Alle drei werden im Laufe des kommenden Schuljahres ihre ersten Versuche in einer Regelklasse starten. Alle übrigen SchülerInnen sind entweder in einer staatlichen Regelklasse oder geeigneten Privatschule untergekommen oder aber sie haben ihren Schulabschluss bei uns gemacht und sind danach in eine weiterführende Schule, resp. in eine berufliche Laufbahn übergetreten. Die Aufenthaltsdauer pro Kind an der eccola ergibt ein Mittel von 1,4 Jahren.



Finanzen


Was die Finanzlage der eccola betrifft wurde im letzten Schuljahr deutlich, dass die Art unserer Budgetierung in verschiedener Hinsicht zu knapp bemessen ist. Haupt-sächlich handelt es sich darum, dass wir für sämtliche unvorhergesehenen Situati-onen (doppelte Lohnzahlung bei Krankheit zum Beispiel) kein finanzielles Polster besitzen. Das hatte im dritten Schuljahr zur Folge, dass die daraus resultierende Mehrarbeit auf Kosten der einzelnen Lehrpersonen ging. Ein weiterer Punkt ist die Entlöhnung schlechthin. Das Budget der Eccola erlaubt es nicht, unseren Mitarbeitern einen 13. Monatslohn auszubezahlen. Dies bedauern wir sehr, zumal die Arbeit an der eccola mit einem grossen psychischen und physischen Kraftaufwand verbunden ist. Wir werden uns im kommenden Schuljahr um eine Optimierung dieser Situation bemühen und versuchen, die entsprechenden Mittel zu beschaffen.

Unser spezieller Dank gilt einmal mehr der Claire Sturzenegger-Jeanfavre-Stiftung, der Singenberg Stiftung und der Stefanie und Wolfgang Baumann Stiftung. Nur dank ihrer konstant grosszügigen Unterstützung konnte die eccola überhaupt bis heute bestehen.



Riehen, 15. August 2004

Die Schulleitung

Brigittta Wisselaar Rickli


 

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2004/2005 Unser viertes Schuljahr

Das vierte Schuljahr der eccola stand einerseits unter dem Zeichen 'Konsolidierung der Methode', andererseits war es aber auch den Turbulenzen mehrerer Schülerwechsel unterworfen.

Als wir die Schule im Sommer 2001 eröffneten, wussten wir nicht, ob sich unser Konzept in der geplanten Form realisieren lässt. Im Speziellen war fraglich, ob wir es schaffen würden, eine Schule mit schwer verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen zu führen, in der Grenzüberschreitungen und Regelverletzungen an der Tagesordnung sind. Regelverletzungen verlangen eine Reaktion. In unserem Falle jedoch eine, die den dahinterliegenden Sinn berücksichtigt und nichts mit den herkömmlichen Strafsystemen und Sanktionen zu tun hat. Dagegen haben sich unsere Schüler schon längst immunisiert. In den ersten Jahren war es also ein rechtes Unterfangen, auf der einen Seite mit den Kindern eine Verbindlichkeit herstellen zu müssen und gleichzeitig auf die Androhung von Strafen mit sofortiger Sanktion zu verzichten. Die Gefahr bestand darin, dass sie unsere Haltung als beliebig im Sinne von an der eccola ist alles erlaubt hätten missverstehen können. Wir konfrontieren unsere Schüler mit Konsequenzen erst dann, wenn wir feststellen, dass der Panzer ihrer Immunisierung am Aufbrechen ist.

Der letzte Rest von Missverständnissen dieser Art wurde im Februar dieses Jahres ausgeräumt, als wir nach drei Jahren eiserner Geduld von Max endlich verlangen konnten, dass er den Preis für seine Machenschaften bezahle. Er musste drei Tage seiner Ferien opfern, in denen er mit einem Fachmann das Klassenzimmer neu strich und sämtliche Dellen, Löcher und kleinen Verwüstungen, die er dem Schulhaus je zugefügt hatte, flickte. Das hat bei allen Schülern gewaltig Eindruck gemacht mit dem Resultat, dass wir nun vermehrt Situationen erleben, wo sich die Kinder selbst um ein lebbareres Gleichgewicht im Umgang mit ihren Aggressionen kümmern und diese Kultur gar an die neuen Schüler weitergeben. Als kürzlich ein neuer Schüler seinen Stuhl durchs geschlossene Fenster schmeissen wollte, stoppte ihn ein älterer mit folgenden Worten: "He Kleiner, wenn ich dich wäre, würde ich das nicht tun. Jetzt, wo es dir noch schlecht geht, machen sie nichts – die Lehrer. Aber irgendwann, das sage ich dir, zahlst du deinen Preis. Sie lassen nichts durch und werden es von dir verlangen!"

Ein anderer Unsicherheitsfaktor war anfänglich die Annahme, dass jedes Kind, sobald sich sein Verhalten normalisieren werde, den natürlichen Wunsch nach einer öffentlichen Schule bekunden würde und eine solche dem geschützten Rahmen in jedem Falle vorziehe. Auch diese Hoffnung hat sich im letzten Schuljahr konsolidiert. Die Regelschule gilt etwas in den Köpfen unserer Schüler. „Ich habe es geschafft!", ist der freudige Ausruf, wenn der Übergang in eine Normalschule gelungen ist. "Ja wenn der das geschafft hat, dann wird auch bei mir nicht Hopfen und Malz verloren sein", sagen sich die zurückgebliebenen Kinder und machen sich eine Spur bereitwilliger an die Arbeit. Dies festzustellen, ist für uns eine grosse Freude.

Im ursprünglichen Konzept nehmen wir eine Aufenthaltsdauer von einem halben Jahr bis zu maximal drei Jahren an. Diesen Passus müssen wir dahingehend ergänzen, als dass wir es vereinzelt mit Jugendlichen zu tun haben, die den Absprung in die Regelschule nicht mehr wagen und ihre Schulzeit bei uns beenden. Dementsprechend kann ihre Aufenthaltsdauer bis zu 5 Jahren dauern. Konkret handelt es sich von den insgesamt 32 Kindern, die bis anhin die eccola besucht haben, um drei Jugendliche. Zu gross ist ihre Unsicherheit und Scham, gepaart mit destruktivem Verhalten. Was sie im Besonderen auszeichnet ist eine unüberwindlich scheinende Diskrepanz zwischen ihrer hohen Intelligenz und einer verschütteten schulischen Leistungsfähigkeit. Mit diesen Jugendlichen machen wir gute Erfahrungen, wenn wir sie teilweise aus der Schulsituation, resp. aus der Konkurrenz mit Gleichaltrigen entlassen und ihnen gemäss ihren Begabungen eine ungewöhnliche Praktikumsstelle vermitteln.

Schüler

Wir starteten das neue Schuljahr mit 3 neuen Schülern. Zwei weitere sind im Laufe des Jahres in der Primarschule hinzugekommen. Aus der 5. Klasse ist ein Schüler ins Freie Gymnasium, ein anderer in eine 4. Primarschule im Petersschulhaus übergetreten. Ein zweiter 5.-Klässler hat im letzten Herbst erste Reintegrations-schritte in einer ersten OS-Klasse versucht, welche zunächst gescheitert sind, im Frühjahr darauf aber wieder aufgenommen werden konnten. Ein weiterer 5.-Klässler hat in einer ersten OS-Klasse den Musikunterricht besucht, was aufgrund seiner Schwierigkeit, sich in einen grösseren Klassenverband ohne Anspruch auf spezielle Aufmerksamkeit einzufügen, nach drei Monaten ebenfalls abgebrochen werden musste. Er wird im kommenden Schuljahr einen neuen Versuch starten.
In der Regel haben unsere Schüler, was die Bewältigung des Schulstoffes anbelangt, keine grossen Schwierigkeiten, obwohl sie bei uns quantitativ ein kleineres Wochenpensum absolvieren. Die Probleme zeigen sich vor allem im Sozialverhalten und im Unvermögen, sich den herrschenden Regeln anstandslos zu unterziehen.
Unser ältester Schüler – ein Schulabgänger – hat seinen Schulabschluss als Externer an der WBS-Basel bestanden, was einen gänzlich unerwarteten Fortschritt und eine Leistung an Angstüberwindung bedeutete, konnte er doch bis vor zwei Jahren kaum sein Zuhause verlassen, um überhaupt in die Schule zu kommen.

Öffentlichkeitsarbeit

Am 10. Januar wurde unsere Schule im Rahmen einer Kontextsendung von Cornelia Kazis, Radio DRS 2, der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Vorbereitungsarbeiten dazu waren für die ganze Schule eine Bereicherung. Sie haben sowohl uns Lehrpersonen als auch Schüler und Eltern zu einem ergiebigen und konstruktiven Nachdenken gebracht. An dieser Stelle möchten wir auch Frau Kazis noch einmal herzlich für ihre einfühlsame Arbeit mit uns allen danken. (Die CD kann über das Sekretariat der eccola angefordert werden.)

Zum Thema „GewAltlast“ hat die Schulleiterin am 1. April 2005 im Rahmen einer internationalen Tagung an der Universität Basel einen Vortrag über die eccola gehalten. (Nachzulesen unter Kontext/"Merk mal!")

Finanzen

Nach wie vor stellt die knappe Budgetierung für unsere Schule ein Problem dar. Wir durften zwar auch in diesem Jahr wieder namhafte Summen in Empfang nehmen, die wir aber für spezielle Förderstunden und die Elternberatung einsetzen wollen. Um auch eine sichere und längerfristige Deckung der schulbetrieblichen Kosten effizienter in Angriff nehmen zu können, wird ab dem neuen Schuljahr 2005/2006 Peter Falk zusätzlich eine 20%-Stelle als Konrektor antreten. Er wird sich in dieser Zeit für die Erschliessung neuer Finanzierungsmöglichkeiten und auch um die Kontakte zu den bisherigen Kostenträgern einsetzen. Brigitta Wisselaar wird ihr Schulleitungspensum um diesen Teil reduzieren und sich – neben der Lehrtätigkeit – vor allem auf inhaltliche und öffentlichkeitsorientierte Belange konzentrieren.

Wir möchten hiermit unseren herzlichen Dank an die Claire Sturzenegger-Jeanfavre-Stiftung, an die Dr. Hedwig Stauffer Stiftung und an die Stefanie und Wolfgang Baumann Stiftung aussprechen. Ohne ihre wiederkehrende Unterstützung wäre das Fortbestehen der eccola in Frage gestellt. Unser Dank geht auch an Prof. Dr. E. Kobi, der uns in regelmässigen Supervisionen immer wieder in unserer Tätigkeit ermuntert und uns dank seiner profunden Fachkompetenz aus so mancher Sackgasse wieder hinauszuführen vermag.

Riehen, 6. September 2005
Die Schulleitung
Brigitta Wisselaar Rickli

 

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2005/2006 Unser fünftes Schuljahr

Unser 5. Schuljahr ist glücklich zu Ende gegangen. Wir starteten mit einer zu knappen Anzahl von Schülern. Im Verlauf des Schuljahres ist die Schülerzahl jedoch von 10 auf 15 Kinder angewachsen, so dass das Anfangsdefizit rechtzeitig ausgeglichen werden konnte. Ab dem 2. Semester mussten wir in sehr kurzer Zeit zusätzliche Lehrpersonen finden. An dieser Stelle danken wir Elisabeth Altorfer, Helene Grieshaber, Tobias Bielander und Marianne Zemp, dass sie so spontan und engagiert einspringen konnten.


Nachdem wir nun in diesen ersten Jahren das methodische und finanzielle Fundament der eccola gebaut haben, werden wir in der kommenden Zeit nicht nur dessen Tragbarkeit, sondern auch unsere Tragfähigkeit, sprich Durchhaltevermögen, beobachten und bedenken müssen. Die ersten Ermüdungserscheinungen beginnen sich bemerkbar zu machen. Sich 'all-täglich' und immer weiter einzulassen auf die provokative Intensität unserer SchülerInnen erfordert eine stetige Erneuerungskraft. Die Frage, wie wir dies längerfristig sowohl als Team schaffen können als auch, wie jeder für sich persönlich mit diesem Thema umgeht, wird uns im nächsten Schuljahr beschäftigen. Eines steht jedenfalls fest: Wer an der eccola arbeitet, kommt nicht darum herum, die eigene Person bezüglich Grenzen und Möglichkeiten immer wieder aufs neue auszuloten. Wie kaum ein anderer verstand es Max, genau diese Hasen bei uns aus den hintersten Winkeln aufzuscheuchen.

Nach fünf Jahren eccola hat er nun diesen Sommmer die eccola verlassen und wie es so ist mit besonders schwierigen Kindern, sie wachsen einem ans Herz. Jeder von ihnen hinterlässt uns ein Thema in Form einer einzigartigen Erfahrung. Bei Max zum Beispiel ist es seine Unbestechlichkeit, die wir neben allen Schwierigkeiten immer wieder neu, wie zum Beispiel am letzten Weihnachtsfest, voller Staunen und Respekt zur Kenntnis nehmen mussten:

Da Max und Klaus deutlich älter waren als unsere übrigen Schüler und es für beide das letzte Weihnachtsfest an der eccola war, wollten wir ihnen mit einem schicken Nachtessen im goldenen Sternen etwas besonderes bieten. Max studiert die Menu Karte, die beim Eingang aufgehängt ist, dreht sich zu den Lehrern um sagt mit Entsetzen in den Augen: Keine zehn Pferde bringen mich in diese Beiz. Soviel wie hier ein Essen kostet, davon lebt unsere Familie eine Woche lang.

Ein besonders wichtiger Stützpfeiler für die eccola ist die regelmässige Supervision mit Professor Dr. E.E. Kobi. Sein Erfahrungsschatz in Kombination mit einem unbestechlichen und gleichzeitig liebevoll humorvollen Blick auf die Schüler, wie auch auf uns Lehrpersonen, bringt der eccola seit fünf Jahren frischen Wind.

Die Zusammenarbeit mit Behörden und anderen Jugendinstitutionen ist erfreulich. Mit den Kantonen BS, BL, SO konnten wir auch in diesem Jahr verbindliche Vereinbarungen treffen, was uns die bürokratische Arbeit wesentlich erleichtert und uns mehr Zeit für die pädagogische Arbeit und Weiterbildung gestattet.

Finanzen

Obwohl wir das Schuljahr mit einem kleinen Gewinn (CHF 6'300.–) abschliessen konnten und somit die Defizitgarantie, welche uns von der Claire Sturzenegger-Jeanfavre Stiftung zugesichert wurde, nicht in Anspruch nehmen mussten, bedeutet die knappe Budgetierung für unsere Schule nach wie vor ein Problem. Peter Falk hat in diesem Jahr verschiedene Projekte für individuelle Unterstützungmöglichkeiten erarbeitet. Mit einer Anzahl von Institutionen, Stiftungen, etc. hat er in der Zwischenzeit bereits Kontakt aufgenommen. Von der Stiftung "Denk am mich" haben wir eine Unterstützung in der Höhe von CHF 2'400.– für die Donnerstagsausflüge erhalten.
Unser herzlicher Dank geht an die Stefanie und Wolfgang Baumann Stiftung. Mit ihrer sich bereits zum dritten Mal wiederholten Zuwendung konnten wir unsererseits auch im vergangen Schuljahr die Elternberatung weiterhin unterstützen.
Ebenfalls bedanken wir uns herzlich bei der Claire Sturzenegger-Jeanfavre Stiftung. Ihre Defizitgarantie hat uns das ganze Schuljahr über einen besonderen Halt gegeben.

Riehen, 6. November 2006
Die Schulleitung
Brigitta Wisselaar Rickli

 

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2006/2007 Unser sechstes Schuljahr

Das neue Schuljahr nach den Sommerferien 2006 konnten wir mit voller Schülerzahl beginnen. Zum ersten mal in der Geschichte der eccola waren wir vor den Sommerferien im Besitz sämtlicher Kostengutsprachen … und dementsprechend zum ersten Mal hatten wir ungetrübte Aussicht auf erholsame Ferien.


Danach ging es los. Zunehmend wurden wir von einem Phänomen, wie wir es in diesem Ausmass bis anhin nicht gekannt hatten, in Atem gehalten. Die Konstellation der OS-Schüler fügte sich so, dass sich eine "Freizeitgruppe durch dick und dünn" zu bilden begann und wir unsere liebe Mühe hatten, da noch irgendwie einen Fuss dazwischen zu bekommen. Klagen von ausserhalb häuften sich, "Geschlossenes-zu-spät-kommen" wollte zur Tagesordnung werden – hilflose Eltern, hilflose Lehrpersonen, aufgebrachte Nachbarn und Passanten.

In der Supervision sind wir zum Schluss gekommen – so leidig und anstrengend die Situation für die Schule auch ist – dass die Formierung zur Gruppe einem sozialen Fortschritt gleichkomme, dass Gruppenzusammenhalt auf einer höheren Entwicklungsstufe anzusiedeln sei, als das vorgängig jahrelange Einzelkämpfertum: jeder gegen jeden.

Trotzdem – die Kinder brachten uns zum Tanzen, und zeitweise wussten wir nicht mehr, wo wehren. Einige besonders verärgerte Nachbarn trugen sich mit dem Gedanken, eine Unterschriftenkampagne gegen die eccola zu starten. Es mussten viele Gespräche geführt werden, und wir können von Glück reden, dass es am Gatternweg vorwiegend gutgesinnte und verständnisvolle Anwohner gibt. Auch die Polizei baten wir um Unterstützung. Nachdem es nach Schulschluss an der Tramstation wiederholt zu Auseinandersetzungen mit älteren PassantInnen kam, postierte die Polizei ab und zu einen Streifenwagen beim Pfaffenloh.

Das zweite wichtige Thema des letzten Schuljahres war die Verfertigung einer Broschüre zum fünfjährigen Bestehen der eccola: Konzept, persönliche Erfahrungsberichte der einzelnen Lehrpersonen, Nachuntersuchung in Bezug auf das Ziel und die Nachhaltigkeit der stattgehabten Reintegrationen über den Zeitraum der ersten drei Jahre.
Im Juni 2007 feierten wir diese Herausgabe mit einem reichhaltigen Apéro, zusammen mit all unseren guten Geistern, Freunden, Bekannten, GeldgeberInnen und Behördemitgliedern. Es war ein fröhlicher und inspirierender Abend.

Ausser bezüglich Frau Altorfers Wunsch, in die Atbeilung II zum Einzelunterricht zu wechseln, ist unser personeller Stand im letzten Schuljahr derselbe geblieben. Allerdings mussten verschiedene Situationen, bedingt durch den aussergewöhnlichen Schwierigkeitsgrad einzelner Schüler, mit zusätzlichen Lehrerstunden aufgefangen werden.

Finanzen

Leider mussten wir das Schuljahr mit einem Verlust von knapp CHF 40'000.– abschliessen. Dieser entstand durch höhere Lohnkosten (+ 31'550.–, siehe dazu auch Erklärung im vorhergehenden Abschnitt) bei gleichzeitig knapp niedrigeren Schulgeldeinnahmen (- 3'150.–) und höhere Mietausgaben (+ 10'470.–). Die Vermieterin, die SJWG-Stiftung, hatte uns im letzten Jahr mit einem 3-monatigen Mietzinserlass unterstützt.
Doch dank genügend hoher flüssiger Mittel für die laufenden Lohn- und Sachkosten über die einnahmeschwachen Sommermonate, mussten wir die von der Claire Sturzenegger-Jeanfavre Stiftung zugesicherte Defizitgarantie bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Anspruch nehmen. Ein finanzieller Engpass zeichnet sich aber im 2. Semester des laufenden Schuljahres ab. Peter Falk wird diesbezüglich mit der Claire Sturzenegger-Jeanfavre Stiftung Kontakt aufnehmen. Wie wir bereits im letzten Schulbericht erwähnten, bedeutet die knappe Budgetierung für unsere Schule – wie sich jetzt zeigt – nach wie vor ein Problem. Trotzdem aber bleibt die Eigenfinanzierung auch in Zukunft unser erklärtes Ziel. Diese können wir mittels einer ausreichenden Schülerzahl (mindestens 14 durch das ganze Schuljahr hindurch belegte Schulplätze) erreichen. Hingegen bleiben auch bei dieser Kalkulation keine finanziellen Mittel für Engpässe, wie z.B. krankheitsbedingte kurzfristige Arbeitsausfälle des Lehrpersonals oder zwischenzeitliche Unterbelegung der Schulplätze übrig. Diese Tatsache erfüllt uns immer wieder mit Sorge.

Unser Dank geht an alle nachstehend aufgeführten Stiftungen, welche uns auch im vergangenen Schuljahr finanziell und ideell unterstützt haben. Sie ermöglichten dadurch auch unsere Arbeit an den Rändern unserer eigentlichen Kernaufgabe:
Die Johanna Kahn-Stiftung überwies uns im vergangenen Schuljahr insgesamt CHF 10'000.–, welche wir für die Erstellung einer Broschüre einsetzen durften. Diese haben wir im Laufe des 6. Schuljahres erstellt – sie zieht Bilanz der ersten fünf Jahre. Wir haben sie verschiedenen interessierten Institutionen, Sponsoren und Privaten zukommen lassen.
Bereits zum vierten Mal durften wir von der Stefanie und Wolfgang Baumann Stiftung den Betrag von CHF 7'000.– für die Elternberatung entgegennehmen.
Ebenfalls CHF 7'000.– erhielten wir von der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) für die Anschaffung von 5 Laptops, welche von den Lehrpersonen zur Erstellung von Berichten, Protokollen, Arbeitsblättern für die Schüler, etc. dringend benötigt wurden.
Von der Stiftung „Denk am mich“ haben wir bereits zum 2. Mal eine Unterstützung für die Donnerstagsausflüge erhalten; wir durften die Summe von CHF 2'600.– für dieses Projekt einsetzen.

Last but not least, bedanken wir uns bei der Claire Sturzenegger-Jeanfavre Stiftung. Ihre Defizitgarantie hat uns das ganze Schuljahr über einen besonderen Halt gegeben.

Riehen, 11. Dezember 2007
Die Schulleitung
Brigitta Wisselaar Rickli

 

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Vexierbild - Rückblick auf die ersten sechs Jahre

Brigitte Wisselaar Rickli
geschrieben 2006

Wenn ich die sieben Jahre eccola gedanklich an mir vorüberziehen lasse, so ergibt sich ein Vexierbild, ein einziges Gewusel an Stimmungen und Begebenheiten – in der ganzen Bandbreite, die die menschliche Natur zu bieten hat. Und die Hauptakteure dieses Schauspiels, unsere Schüler, verneigen sich mit einem spöttischen Augenzwinkern.


Im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm finde ich eine Definition von C.F. Hebbel zum Begriff Vexierbild: vexierbilder, die von der einen seite betrachtet, reizend aussehen, von der anderen ins auge gefasst, einen grauenhaften eindruck machen. Ethymologisch, nach Kluge, bildet sich der Begriff aus: vexieren, lateinisch vexare 'plagen, irreführen, necken, quälen, schütteln' und aus: lateinisch vehere 'führen, tragen, bringen'. Das ist tatsächlich, was an der eccola passiert. Die Schüler plagen, quälen, necken ... führen in die Irre und fordern, dass wir uns etwas einfallen lassen, das ihr Anliegen wandelt und trägt.

Die ersten drei Monate im Sommer und Herbst 2001 haben in meiner Erinnerung einen grauenhaften Eindruck hinterlassen: Primar- und OS-Schüler alle zusammen im selben Haus – mit gemeinsamer Pause und gegenseitiger Plaglust. Rund ums Haus Arbeiter auf dem Baugerüst, im Garten frei zugänglich allerlei Werkzeug und Eisenstangen. Die Renovation war noch im Gange. Wir Lehrpersonen als Team nicht zusammengerauft, unsicher, wer was in welchem Moment sagen oder tun sollte. Und überall dazwischen die Kinder, die weder Unruhe noch Unsicherheit ertragen können und darüber hinaus äusserst empfindlich auf Aussenreize reagieren.

In solch 'struben' Situationen pflegen unsere Schüler die Flucht nach vorne zu ergreifen und wenn sie sich gleichzeitig auch noch zusammenrotten, können sie sich von einem Moment auf den anderen in eine unberechenbare und bedrohliche Horde verwandeln. In diesen ersten Wochen mussten die Schutzengel ihr Bestes gegeben haben und ich bin heute noch dankbar, dass wir diese erste Gratwanderung unverletzt überstanden haben.

Dann, wenn es darum geht, gefahrenträchtige Eskalationen zu unterbinden, kommt man als Lehrperson an der eccola nicht darum herum, einen gewaltigen Gegenzorn zu mobilisieren. In der ersten Zeit war eine solche Mobilmachung fast täglich gefordert, heute ist dies zum Glück nur noch selten nötig. Trotzdem, diese Gewähr müssen wir unseren Schülern bieten, und zwar ohne wenn und aber, ganz aus eigener Kraft. Nein! Punktum.

eccola-Schüler brauchen einen bedingungslosen Halt, sowohl gegen die Angst vor der eigenen Wut, als auch als Grundlage fürs Vertrauen. Wir bemühen uns deshalb, die Verbote netto auszusprechen, das heisst, ohne eine Drohung damit zu verbinden. Je nach Vorgeschichte, mehr oder weniger heftig, kommt bei jedem unserer Schüler der Tag, wo er auf der Kippe zum Ja die Grenzen ausloten muss.

Weil zu Beginn der eccola der Zeitpunkt des Eintritts für alle Schüler derselbe war und dementsprechend zeitgleich der Drang, es wissen zu wollen, wurde unsere Standfestigkeit einer doppelt harten Prüfung unterzogen. Heute ist es zum einen so, dass Neueintritte selten mehr gleichzeitig erfolgen, zum anderen haben wir festgestellt, dass uns unter den Schülern ein Ruf voraus geht. Wir staunen, wie viele unserer Schüler sich schon aus früheren Schulen oder aus der Freizeit kennen. Wenn ein Neuankömmling also nicht schon vorher Bescheid bekam, wie hier die Sache läuft, so wird er spätestens am ersten Tag von den älteren Kollegen genauestens instruiert.

Anfänglich konnten die Schüler unsere pädagogische Haltung nicht einordnen. Frechheiten, Verweigerung und sonstige Vergehen, die in der früheren Schule sofort sanktioniert worden wären, werden an der eccola straffrei, von Mensch zu Mensch beantwortet. Das hat besonders unsere ersten Schüler irritiert. Manchen hat es sogar Angst gemacht. Mittlerweile wissen die Kinder, dass unsere Haltung alles andere als beliebig, ja sogar sehr anspruchsvoll ist. Unter anderem stellen wir den Anspruch, dass sie lernen, sich selber auszuhalten. Wer nicht arbeiten kann, muss das aushalten und darf die anderen Kinder nicht stören. In der ersten Zeit störte jeder jeden und es gab weit und breit kein Kind, das man bei der Arbeit nicht hätte stören dürfen.

Ein anderes Motto, das in den Köpfen der Kinder Gestalt angenommen hat, heisst: Früher oder später, sobald es einem besser geht und man dazu in der Lage ist, muss man seinen Preis bezahlen. Max zum Beispiel war nach drei Jahren in der Lage, sich wieder zu schämen, rot zu werden und dementsprechend auch, seine 'Schulden' zu bezahlen. In den Fasnachtsferien flickte er zusammen mit einem versierten Handwerker alles, was er in den drei Jahren kaputt gemacht hatte. Als Ersatz für die irreparablen Schäden wurde das Klassenzimmer neu gestrichen.

Wenn ein Kind bei uns eintritt, hat es in der Regel einen langen Weg des Scheiterns hinter sich. Mehrere Schulwechsel, meist auch ein kurzer Heimaufenthalt haben schliesslich mit und trotz zunehmendem Druck zum endgültigen Aus geführt. Sie kommen zu uns, nachdem sie unzählige Formen von strafenden Konsequenzen erfahren haben, ohne dass sich eine Besserung ergeben hätte. Vom anfänglichen Hausaufgaben vergessen, Faxen und Kapriolen erfinden, sich nicht konzentrieren können ist es mehr und mehr zur offenen Aggression und Widerspenstigkeit gekommen. Mit immer stärkerem Geschütz haben sie versucht, ihrer inneren Not Ausdruck zu geben. Ungefähr in diesem Zustand befinden sich die meisten unserer Schüler beim Eintritt in die eccola. In seltenen Fällen, wenn es selbst mit extrem verstärktem Einsatz nicht gelang, sich Gehör zu verschaffen, resignieren die Kinder – bis hin zu dumpfer Interesselosigkeit und besorgniserregender Gefühlskälte.

Wir könnten die eccola nicht (er)-tragen, wenn wir uns vom Geschütz der Kinder irre führen liessen. Das heisst, wenn wir besagte Ausdrucksformen eins zu eins, als das, wie sie sich zeigen – nämlich misstrauisch, frech, lästig bis unerträglich – auffassten und den Kampf dagegen antreten würden. Die bisherige Laufbahn der Kinder legt nahe, dass die Rede von etwas anderem sein soll.

Wenn es gelingt, uns vom Symptom führen zu lassen und damit einen Blick dahinter zu erhaschen, erhält das 'grauenhafte' Verhalten seinen ursprünglichen Namen zurück. Wut offenbart sich plötzlich als Angst und Rumpelstilzchens Bann ist gebrochen.

Jakob zum Beispiel war in seiner ersten Zeit ein wirklich lästiger und raffinierter Plaggeist. Die Plaglust richtete sich nicht ganz zufällig gegen den ängstlichen Pedro. In Wirklichkeit hatte Jakobs Wut jedoch nichts mit Pedro, sondern mit dem eigenen Geschwisterneid und mit seiner Bedrohungserwartung zu tun. Pedros Verhalten bot Jakob einen willkommenen Anlass, um die eigenen uneingestandenen Ängste zu inszenieren und zur Sprache zu bringen.

Natürlich ist es damit noch längst nicht getan. Aber immerhin haben wir mit dieser Auffassung einen Anhaltspunkt, wovon Jakob in Wirklichkeit spricht. Wenn wir Jakobs Verhalten aus diesem Blickwinkel betrachten, ist unsere Haltung ihm gegenüber – speziell unser Einfallsreichtum für ihn – wesentlich anders, als wenn wir ihm die Plaglust mit moralischen Vorhaltungen austreiben wollten.

Eines Tages, als ich mir nicht mehr zu helfen wusste, Jakobs Plaglust wieder einmal überhand nehmen wollte und ich ihn am liebsten geschüttelt hätte, habe ich vor Jakob ein imaginäres Telefongespräch mit seiner Mutter geführt:

"Oh, guten Tag Frau Berger. Ich rufe wegen Jakob an. ........
Nein, nein, es ist nichts Schlimmes vorgefallen. ........
Er ist mir einfach ein Rätsel. ........
Ach, Ihnen geht es ebenso? ......
Ja genau, er ist wirklich ein unglaublich kraftvoller Bub und Ideen hat er. ......
Bitte? .......
Ach so, mit dem kleinen Bruder? .......
Ja das verstehe ich, schliesslich möchte jeder einmal die Aufmerksamkeit für sich allein haben. .......
Mit dem Vater? .......
Ja, das würde Jakob wahrscheinlich freuen, also vielen Dank für das Gespräch, auf Wiedersehen Frau Berger."

Solche Spiele liebte Jakob. Gleichzeitig haben sie den Vorteil, dass man mit ihnen mehrere Fliegen auf einen Streich fangen kann: Augenblicklich ist Ruhe im Klassenzimmer. Humor und Interesse sind zurückgekehrt. Jakob erfährt, dass er nicht böse, sondern ein Rätsel ist. Sein Thema ist so angesprochen, dass er es aufnehmen, gerade so gut aber auch bleiben lassen kann. Die anderen Kinder werden Jakob gegenüber gnädiger gestimmt. Sie verlangen auch ein solches Telefonat, was zeigt, dass allgemein ein Stück Interesse an sich selber geweckt worden ist.

Die Schwierigkeit dabei ist bloss, dass man als Lehrperson nicht jeden Tag in den Genuss kommt, solche Einfälle zu bekommen. Die eigentliche Arbeit an der eccola, das was die Einfälle überhaupt erst gebären lässt, sind die langen Durststrecken dazwischen, die man notgedrungen aushalten muss.

Ein echtes, fast schon freches Wagnis bedeutete die Zielformulierung im Konzept, dass wir die Schüler in die Regelklassen zurückführen wollten. Mit einer solchen Annahme hatte ich keinerlei Erfahrung und vergleichbare Schulen waren mir nicht bekannt. Auf der anderen Seite war ich mir gewiss, dass Kinder das natürliche Bedürfnis haben, mitten im normalen Leben zu stehen und dass sie nicht ausgesondert sein wollen. Ebenfalls ziemlich gewiss war ich mir über die Tauglichkeit der ausdrucksanalytischen Methode.

So wandern wir seit sechs Jahren und dank unserer Fröhlichkeit im Team, dank der Supervision mit Herrn Prof. E.E. Kobi, dank der teilnehmenden Unterstützung unzähliger Freunde und Fachpersonen sind unsere Rucksäcke immer noch wohl gepackt. Wir wandern unverdrossen weiter und sind gespannt, wie es wohl hinter dem nächsten Gipfel aussehen wird.

 

 

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2007/2008 Unser siebtes Schuljahr

Das war ein schweres Jahr.

Am 29. Januar 2008 ist unser Schulhaus am Gatternweg abgebrannt.


Es ist unbewohnbar, unbenutzbar, unbeschulbar, auch wenn das Mauerwerk noch steht. Die Einrichtung ist weitgehend zerstört: Bücher, Möbel, Küche, Akten, Computer, Klavier, Bilder, Schulhefte aus sechs Jahren. Einige Tische und Stühle aus den Obergeschossen, wo die Flammen nicht wüteten und nur der schmier-russige Rauch und Qualm Schäden verursachte, konnten gereinigt und erhalten werden.

Die brennende Schule – ein Bild von archetypischer Wuchtigkeit. Und alle, die davon hören, fragen sofort, ob es denn Brandstiftung gewesen sei. "Haben eure Schüler die Schule angezündet?" Das ist die Vorstellung: dass die Schüler ihre Schule absichtlich zerstörten.

Das Erschütternde an dieser Geschichte ist jedoch, dass die Burschen, die an jenem unseligen Nachmittag mit ihrer provozierenden aber unbedachten Grenzenlosigkeit grosses Unglück erzeugt haben, bei ihrer Vernehmung durch die Polizei selbst fürchterlich getroffen sind und laut JUGA glaubhaft beteuern, die eccola sei für sie ein Ort, an dem sie sich angenommen und wie zu Hause fühlten. Sie könnten nicht fassen, was sie angerichtet hätten.

Alle stehen unter Schock.
Wie, wo weiter?


Ein Tag nach dem Brand, am Tiefpunkt unserer Niedergeschlagenheit rettet uns die Gemeinde Riehen mit einer Übergangslösung. Das Haus an der Bahnhofsstrasse 34 wird in den Fasnachtsferien – mit viel tatkräftiger Unterstützung von den Brandstifter-Buben, deren Eltern, wohlgesonnenen Handwerkern und dem eccola-Team – notfallmässig renoviert und eingerichtet. Schulmaterial wird wiederbeschafft. Unverhoffte Anteilnahme und Spenden helfen nicht nur ganz real weiter, sondern auch als Mutmacher und Stärkemittel.

Vier Wochen nach dem Brand wird an der „eccola 2“ der Unterricht wieder aufgenommen.

Es ist nicht mehr wie zuvor. Der Brand und seine Entstehungsgeschichte wirft zahlreiche grundlegende Fragen auf: Ist es überhaupt möglich, mit unseren Schülern in einem offenen, ambulanten Rahmen zu arbeiten? Diese Fragen führen in der Folgezeit zu tiefgreifenden Auseinandersetzungen und neuen Überlegungen. Trotz des regen Austauschs steht schlussendlich jeder von uns allein vor der Frage, ob und wie er diese Arbeit weiter machen will und kann. Die Jahr für Jahr im Frühling wiederkehrende Unsicherheit bezüglich der finanziellen Sicherheit der Schule, die Ungewissheit, in welchem Gebäude die eccola sein wird nach Ablauf der Übergangslösung, der ganz persönliche Kräfteverschleiss in der Auseinandersetzung mit den einzelnen Schülern – das sind unsere Wegbegleiter in diesen Wochen und Monaten nach dem Brand. Konkret haben wir uns entschieden, im neuen Schuljahr zunächst einmal nur mit einer OS Klasse weiterzufahren.

Eine während der Osterferien durchgeführte schriftliche Umfrage unter der Nachbarschaft am Gatternweg zeigt deutlich, dass eine Rückkehr der eccola in das wieder renovierte Haus mehrheitlich und eindeutig nicht erwünscht wird. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass einzelne Anwohner in der Vergangenheit Ärger und Unbill mit eccola-Schülern erfahren haben, offensichtlich hat der Brand hier das Fass zum Überlaufen gebracht. Für uns ist die Wiederaufnahme unseres Schulbetriebes in diesem Umfeld nicht möglich und wir entscheiden uns endgültig dagegen, ohne über eine sichere Alternativlösung zu verfügen.

Trotz aller Schwierigkeiten: An den Grundannahmen, insbesondere an unserer Symptom freundlichen Betrachtungsweise, auf der diese Schule basiert, halten wir fest. Es gibt 'untragbare' Schüler, die im staatlichen und normalen privaten Schulangebot keinen Platz finden und trotzdem nicht automatisch in die Psychiatrie oder in ein Schulheim gehören. Für diese Schüler machen wir die eccola – nicht unbedingt unverdrossen weiter, geschweige denn voller Schwung, dafür aber mit einer umso ruhigeren und besinnlichen Wachsamkeit.

Zum Ende des Schuljahres waren zwei OS Schüler und ein Primarschüler in eine öffentliche Regelschule übergetreten. Vier der grösseren Schüler hatten ihren Schulaustritt, weil sie ihre Schulpflicht erfüllt haben; zwei davon mit einem offiziellen Abschlusszeugnis der Weiterbildungsschule BS in den Fächern Deutsch und Mathematik. Bei einem weiteren OS Schüler erfolgte eine Heimplatzierung.


Ganz speziell im vergangenen Schuljahr, welches bis zu dessen Ende von der Brandkatastrophe geprägt war, möchten wir unseren Dank unseren treuen Sponsoren zukommen lassen, die sofort und ohne bürokratische Verzögerungen ihre Hilfe angeboten hatten: Claire Sturzenegger-Jeanfavre Stiftung, Johanna Kahn Stiftung, Wolfgang und Stefanie Baumann Stiftung. Ohne ihre Unterstützung wäre eine Weiterführung der Schule rein faktisch nicht möglich gewesen. Besonderen Dank geht an die Gemeinde Riehen, die uns als Schulprovisorium die Liegenschaft an der Bahnhofstrasse kostengünstig zur Verfügung stellt. Weiterhin geht unser Dank an Frau Henriette Koechlin, die mit ihrer Unterstützung auch für das Weiterführen unserer speziellen Förderstunden gesorgt hat. Es haben uns aber auch diverse Handwerkerfirmen mit ihrer spontanen, tatkräftigen und teilweise gesponsorten Arbeitsleistung beim Eröffnen des neuen Schulhauses fachlich, finanziell und moralisch unter die Arme gegriffen: Maleratelier Moeschlin – Frau Giulia Bessi, Gemeindeschreiner Werni Altorfer, Egeler Lutz AG Baugeschäft – Herr Andi Lutz. Frau Regina Christen, Rektorin der Schulen von Riehen und Bettingen, hat uns die verbrannten Schulbücher ersetzt; die Schulmaterialverwaltung uns mit Schulmobiliar versorgt. An alle erwähnten Helfern geht unser herzlicher Dank.

Riehen, 14. Oktober 2008
Die Schulleitung
Brigitta Wisselaar Rickli

 

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2008/2009 Unser achtes Schuljahr

Das neue Schuljahr im Sommer 2008 begann etwas wackelig. Die Nachwehen vom Schulhausbrand ein halbes Jahr zuvor waren an allen Enden noch gut spürbar und wir begegneten den laufenden Herausforderungen mit einer Art vorsichtigem Respekt.


Wie sich bald herausstellte, erwiesen sich zwei wesentliche Folgeerscheinungen – der neue Standort des Schulhauses und die Reduktion von drei auf zwei Klassen – als gewinnbringend. Währenddem wir am Gatternweg immer und immer wieder genötigt waren, auch ausserhalb der Schule Vorkommnisse mit der Nachbarschaft zu klären und zu beruhigen, konnten wir uns am neuen Ort mit einem Mal ganz den inneren Anliegen unserer Schule widmen. Hier, an der Bahnhofstrasse mit ihrem öffentlichen Charakter, zerstreuen sich die Schüler nach der Schule in alle vier Winde und es gibt weder Nachbarn, die man ärgern, noch Einfamilienhäuser, deren Briefkästen oder Gärten man traktieren oder gar verwüsten könnte.


Und auch jetzt erst im Nachhinein wurde in aller Deutlichkeit offenbar, wie sehr sich die Probleme unserer Schüler durch ihre grosse Anzahl in zwei Oberstufenklassen potenziert hatten. Nun, mit jeweils vier bis fünf Schülern und einer Lehrperson in jeweils einer Primarschul- und einer Oberstufenklasse, hat sich plötzlich eine Ruhe und Überschaubarkeit ergeben, mit dem Resultat, dass einzelne Znünipausen gar richtig gemütlich wurden.

Zwischentöne in Zwischenzeiten gehören wesentlich zum Konzept der eccola und mit nur je einer Klasse pro Schulgebäude ist dazu nun der nötige Spielraum wieder vorhanden.

Bezüglich Abschied, Wechsel und Neueinstellungen, sowohl von Schülern wie auch von Lehrpersonen, war dieses Schuljahr besonders bewegt. Schon vor den Herbst-ferien hat Peter Falk – unser Fels in der Brandung und seit Anfang dabei – auf
Ostern 2009 seine Kündigung eingereicht. Nach acht Jahren intensivem Engagement an der eccola wollte er nun ein eigenes "bed and breakfest"-Unternehmen realisieren.

Die Stelle von Herrn Falk konnten wir mit zwei neuen und jugendlich vitalen Lehrpersonen besetzen, Sara Häusermann und Michael Herrmann.

Infolge der Reduktion von drei auf zwei Schulklassen wurde es möglich, die Abteilung II mit ihrem Angebot von Einzelstunden wieder etwas mehr auszubauen. Für diese Aufgabe konnten wir Ursula Schäfer und Erwin Göldi gewinnen – zwei altbewährte und erfahrene Lehrkräfte.

Am Osteressen im Frühling 2007 liessen Dr. E.E. Kobi und ich verlauten, dass wir auf den Sommer 2009 unsere Arbeit an der eccola in neue Hände geben möchten. Christoph Martin, langjähriger Mitarbeiter im Kernteam der eccola, hat sich im letzten Winter bereit erklärt, die Schulleitung der eccola zu übernehmen. Die Supervision übernimmt der Basler Psychoanalytiker Dr. Christian Kläui. Er ist Mitherausgeber der psychoanalytischen Zeitschrift "Riss" und hat letztes Jahr ein eindrückliches Buch mit dem Titel "Psychoanalytisches Arbeiten" veröffentlicht.

Wenn einer unserer Schüler den Schritt zurück in die Regelschule wagt, ist dies immer ein grosses Ereignis. Und für uns Lehrpersonen ist es jedes Mal wieder aufs neue erschütternd und sehr berührend mitzuerleben, mit welch grossen Ängsten jedes einzelne Kind in einem solchen Moment zu kämpfen hat. Und wie sehr es gewillt ist, sich Mühe zu geben. Was an der Regelschule als harmlose Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird, kann bei unseren Schülern – etwa allein schon, wenn es darum geht "das Etui nicht zu vergessen" – schlaflose Nächte auslösen.
Dieses Jahr waren es drei Schüler, ein Primarschulkind und zwei OS- Schüler, die den Schritt in eine Regelklasse gewagt haben.

Durch die finanzielle Unterstützung für das Wiederaufnehmen des Schulbetriebes nach dem Brand im Januar 2008 war es uns möglich, auch über den Schuljahreswechsel hinaus die eccola – zwar in etwas redimensionierter Form – wieder auf die Beine zu stellen. Davon konnten wir noch im vergangenen achten Schuljahr zehren. Ergänzend zu den Unterstützungen (siehe Jahresbericht 7) möchten wir nachträglich auch noch die Hedwig Stauffer-Stiftung erwähnen, welche uns im September 2008 zur Behebung des Brandschadens ebenfalls einen namhaften Betrag überwies. Ein weiterhin wohlwollendes und wohltuendes Interesse an unserer Schule durften wir, abgesehen von den damit verknüpften Unterstützungen finanzieller Art, auch in diesem vergangenen Schuljahr erfahren. Die Stiftungen Johanna Kahn und Wolfgang und Stefanie Baumann überwiesen im Juni 2009 wieder namhafte Beträge auf unser Konto, die wir in einem Fall ganz nach unserem Gutdünken einsetzen und im zweiten Fall für Elternberatung aber auch für spezielle Förderstunden einsetzen dürfen. Die Claire Sturzenegger-Jeanfavre Stiftung, bei welcher wir noch einen Restbetrag für einen späteren Umzug auf der hohen Kante haben, hat uns zugesichert, auch in Zukunft im Bedarfsfall unterstützend an unserer Seite zu stehen. Mit diesem Wissen, eben nicht zuletzt auch um das inhaltliche Mittragen, geht das achte Schuljahr zu Ende. Darüber freuen wir uns und bedanken uns herzlich.
Die Stiftung "Denk an mich" hat im vergangenen Schuljahr ein weiteres Mal mitgeholfen, die Donnerstags-Ausflüge mitzufinanzieren. Diese sind seit den Anfängen der eccola fester Bestandteil unserer Schulwoche. Vom Drei Königs-Singen Jakobsberg durften wir die gesamten Einnahmen in Empfang nehmen. Auch dafür ein herzliches Dankeschön.
Ebenfalls danken möchten wir der Gemeinde Riehen, die uns eine Verlängerung der Mietdauer bis Ende 2010 zu den gleichen günstigen Konditionen wie seit Februar 2008 eingeräumt hat.

Riehen, 19. Oktober 2009
Brigitta Wisselaar Rickli

 

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2009/2010 Unser neuntes Schuljahr

Team

Drei tragende Kräfte der ersten acht Jahre hatten sich vor den Sommerferien 2009 verabschiedet: Gründerin und langjährige Schulleiterin Brigitte Wisselaar, Lehrer Peter Falk sowie Supervisor Dr. Emil E. Kobi.
Wie die eccola diese Abschiede verkraften würde, war die offene Frage.


Nach den Sommerferien zeigte sich, dass ein frischer Wind in die bewährten Strukturen und Konzepte blies. Im mitunter recht stürmischen eccola-Alltag kam es zu ersten Bewährungsproben, die vielleicht nicht auf Anhieb routiniert, aber doch den Umständen gemäss bestanden wurden.

Im Team der Oberstufenklasse fanden die jungen Lehrkräfte Sara Häusermann und Michael Herrmann mit Christoph Martin schnell und leicht zusammen.

In der Primarstufe arbeiteten in seit mehreren Jahren bewährter Manier Mirjam Binet und Sara Ramseier weiter.

In der Abteilung für Einzelunterricht nahmen wir mit Erwin Göldi und Ursula Schäfer zwei gestandene Lehrkräfte in Anspruch. Ersterer verliess uns nach der erfolgreichen Reintegration seines Schülers, zweitere wird weiterhin einzelne Schüler unterrichten.

Unser neuer Supervisor Dr. Christian Kläui, Psychoanalytiker und Mitherausgeber der Zeitschrift "Riss", begann nach den Sommerferien. Im dreiwöchentlichen Rhythmus treffen wir mit ihm in der eccola zusammen und arbeiten intensiv an Fallbesprechungen. Sein genaues Hinhören auf unsere Schilderungen und sein feiner Humor eröffnen uns von Mal für Mal neue Perspektiven, die in der täglichen Arbeit mit den Schülern hilfreich sind.

Was sich im Schulalltag bewährte, kam auch in der Überarbeitung und Neugestaltung des Konzepts zum Ausdruck: dass die Methode, die auf der ausdrucksanalytischen Pädagogik basiert, weiter Bestand haben wird.

Qualitätsmanagement war ein Thema, mit dem wir uns im abgelaufenen Schuljahr befassten. Qualitätssichernde Instrumente gab es an der eccola immer schon. Sie wurden nun noch deutlicher beschrieben und schriftlich niedergelegt:
– Wochenprotokolle über die Arbeit mit den Schülern;
– Kommunikationswege innerhalb der eccola;
– Planung und Protokollierung der Elternarbeit bzw. der Zusammenarbeit mit den Fachstellen;
– Anamnese-Verfahren zur Aufnahme neuer Schüler.

Alle diese Massnahmen existierten bereits zuvor, jetzt sind sie präziser erfasst.
Sie dienen dazu, den Kommunikationsfluss innerhalb des Teams und zwischen eccola, Eltern und beteiligten Fachstellen zu gewährleisten und die schulischen Werdegänge der einzelnen Schüler transparent darzustellen.

Die Website der eccola befindet sich derzeit in Überarbeitung. Für die Neugestaltung konnte das Designerteam Zimmermann und Gisin gewonnen werden, die bereits das ursprüngliche Logo der eccola entwickelt hatten. Die neue Homepage wird im Herbst 2010 freigeschaltet werden.

Schüler

Neue Schüler kommen, alte gehen – die Geschichten sind jedes Mal anders und ähneln sich dennoch.
Nachdem bis November keine Anfragen nach Schulplätzen eintrafen, wurden wir im Dezember und Januar geradezu überschwemmt. Obwohl wir bis an die Grenzen unserer Kapazität gingen, mussten wir einzelne Anfragen ablehnen oder auf die Warteliste nehmen.
Während des Schuljahres hatten wir einen Austritt zu verzeichnen, vier weitere Schüler haben zum Schuljahresende die Schule verlassen, alle mit einer geeigneten Anschlusslösung. Neuaufnahmen hatten wir im gleichen Zeitraum fünf.

Jeder Eintritt, jeder Austritt verändert spürbar das sensible Gefüge in den kleinen Klassen. Unruhe macht sich breit, wenn das eh schon wacklige Gleichgewicht neu austariert werden muss. Verfestigte Positionen werden durcheinander geschüttelt und aufgeweicht. Neue Schüler sind überrascht und oft verunsichert. Die alten Hasen geben den Ton an. Etwas nomadenhaftes liegt in dieser Atmosphäre.

Ein Phänomen im Rahmen des Reintegrationsprozesses wurde uns dieses Schuljahr besonders deutlich vor Augen geführt. Wenn sich für einzelne Schüler die erfolgreiche Rückkehr in eine öffentliche Schule abzeichnet, erste Schnupperwochen absolviert sind und vielleicht schon eine stunden- oder tageweise Integration in die Regelklasse stattgefunden hat, dann wird es an der eccola meist noch einmal richtig schwierig. Sei es, dass der endgültige Wechsel zu lang auf sich warten lässt, sei es, dass die Angst genau davor nahezu unerträglich wird, oder sich die Einstellung breit macht: "Ich habe es ja geschafft, was wollt ihr hier noch von mir?" – immer zeigt sich im Verhalten der scheidenden Schüler noch einmal die gesamte Bandbreite ihrer Schwierigkeiten. Peter Falk, ehemaliger langjähriger Kollege unseres Teams, nannte das: "Die Symptome verneigen sich", so wie die Mitspieler auf der Theaterbühne vor dem endgültigen Vorhang alle noch einmal aufmarschieren.

So auch bei Hans*, der nahezu ein Jahr lang ungeduldig auf seine Rückkehr in die öffentliche Schule warten musste – bis auch wir ihn für reif genug hielten und das ganze Prozedere von schulpsychologischer Abklärung, Einstufung in die "richtige" Schulart mittels Tests, Schnupperwochen, Teilnahme am Regelunterricht einen Tag pro Woche, Gespräche, Nachhilfeunterricht zur Auffüllung schulischer Lücken durchlaufen war und der Wechsel zum Schuljahresende vollzogen werden konnte. Sein Verhalten in den Unterrichtsstunden an der eccola steigerte sich gegen Ende dieser Zeit ins beinahe Unerträgliche – in einem Ausmass, das es uns schwer machte, an einen Erfolg der Reintegration weiter zu glauben. Einzig die durchweg positiven Rückmeldungen aus seiner Regelklasse bestärkten uns darin, den Versuch nicht abzubrechen. Dass Hans an seinem letzten Schultag bei uns noch einmal die ganze abgrundtiefe Verzweiflung und daraus resultierende Gewalt ausagierte, offenbarte eine zwangsläufige Logik. Wir hielten auch diesem Symptom so gut wie möglich stand und konnten ihn dann verabschieden. Was auch immer Hans in seiner zukünftigen Schullaufbahn begegnen wird: Er verlässt uns mit der Erfahrung, dass er hier Halt gefunden hat.

* Name geändert

Finanzen

Als sich im November 2009 bei uns wegen einer leichten Unterbelegung erste Sorgenfalten bildeten, konnten innert kurzer Zeit die vakanten Schulplätze wieder belegt wurden. Die unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Schulpsychologischen oder Psychiatrischen Diensten sowie den zuständigen Ressorts der kantonalen Erziehungsdepartemente war hierbei äusserst unterstützend.

Wir schliessen dadurch das Jahr mit einer ausgeglichenen Bilanz ab und starten mit soliden Belegungszahlen ins Schuljahr 2010/11.

Eine Restunsicherheit bleibt bei allen Mitarbeitern der eccola stets bestehen. Zwar überwiegt das Vertrauen in die Tatsache, dass es immer Schüler geben wird, die ihren Weg in unsere "Nischenschule" finden werden, Sicherheit aber gibt es keine. Diese Tatsache spiegelt sich auch darin wieder, dass unsere Schulgelder seit der Gründung der Schule im Jahr 2001 unverändert sind (abgesehen von der Anpassung an die Teuerung) und die Gehälter der Mitarbeitenden sich nicht erhöht haben.

Zusätzliche Angebote wie therapeutische Einzelstunden, Förderunterricht in Musik sowie Elternberatung wurden uns im vergangenen Jahr ermöglicht durch die Unterstützung folgender Sponsoren:

Die Johanna Kahn-Stiftung liess uns auch im Schuljahr 2009/2010 einen namhaften Betrag zukommen, den wir ganz nach unserem Gutdünken einsetzen durften: Noch ist der Betrag nicht aufgebraucht, aber wir freuen uns schon an zwei schönen, stabilen Holztischen im Schuleiter- und Sitzungszimmer. Ein Besuch des gesamten Lehrerteams in der Therme Badenweiler hatte grosse Freude gemacht und viel Entspannung gebracht. – Es war der ausdrückliche Wunsch der Spenderin, dass sich das eccola-Team von der anstrengenden Arbeit erholen soll!

Die Murat Yakin & Stamm-Stiftung finanziert eine zusätzliche therapeutische Einzelstunde für einen Primarschüler für ein ganzes Jahr.

Ein herzliches Dankeschön geht ein weiteres Mal an die Stiftung "Denk an mich", die uns bei unseren regelmässigen Ausflügen finanziell unter die Arme greift.

Auch der Gemeinde Riehen möchten wir unseren Dank aussprechen für eine weitere Verlängerung der Mietdauer bis Ende des Schuljahres 2010/2011.

Riehen, 30. August 2010
Christoph Martin
Schulleiter eccola

 

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2010/2011 Unser zehntes Schuljahr

Team

Im vergangenen Schuljahr hatten wir in unserem 6 Personen umfassenden Team einige Turbulenzen zu bewältigen: Zwei Lehrerinnen gingen in ihre Babypause, zwei länger andauernde Krankheitsfälle forderten zusätzlich Vertretungspensen. Wieder bestätigte sich, wie schwierig es ist, Lehrpersonen für Stellvertretungen zu finden.

Unser grosses Glück in dieser Situation war es, zwei junge Lehrer für diese Aufgabe gewinnen zu können: in der Oberstufe Mathis Rickli, der die Schule und ihre Schüler bereits aus den vergangenen Jahren kannte und Sara Häusermann bis zu ihrer Rückkehr vertrat, in der Primarklasse Vincent Klein, der das anfallende Vertretungspensum übernahm und nach der Rückkehr von Sara Ramseier als dritte Lehrkraft in der Klasse bleibt. Ursula Schäfer als Lehrerin für Einzel- oder Zweierunterricht entlastete und ergänzte mit ihren Lektionen die Klassenlehrkräfte der OS.

Regelmässig kamen wir auch im vergangenen Schuljahr mit Dr. Christian Kläui zu Supervisionssitzungen zusammen. Es ist jedes Mal ein kleines Wunder, wie das intensive Gespräch in einem psychoanalytischen Feld Bewegung bringt in zuvor verfahrene, stagnierende schulische Verläufe der einzelnen Schüler (und Lehrer…).

Im April verbrachte unser Team ein gemeinsames Wochenende in der Abgeschiedenheit einer Schwarzwald-Hütte. Wir nutzten es zu vertiefender konzeptioneller und team-interner Arbeit, entwickelten Visionen für die Zukunft der eccola (von denen sich manche nur mittels eines grösseren Lotto-Gewinns werden verwirklichen lassen…) und liessen es uns gut gehen.

Im Frühjahr 2011 erreichte uns die traurige Nachricht vom Tod unseres langjährigen ehemaligen Supervisors Dr. Emil E. Kobi. Herr Kobi hat die Entwicklung der eccola von Anfang an mit seiner heilpädagogischen Kompetenz und seinem unnachahmlichen Humor entscheidend geprägt. Bis 2009 hat er uns begleitet beim „Kartenhausbauen bei Windstärke 10“, wie er es immer nannte.

Schulleben

Der Schulalltag fand auch in diesem abgelaufenen Schuljahr unter teilweise stürmischen Bedingungen statt. Dabei erlebten wir, dass sich ein orkanartiger Gegenwind mitunter gänzlich unerwartet in einen kräftigen Rückenwind drehen konnte und Geschehnisse, die noch gestern undenkbar waren, heute plötzlich ganz leicht und wie von selbst gelangen. Oder umgekehrt.

Kräftige Wirbelwinde ermöglichten die Durchführung von zwei mehrtägigen Ausflügen in der Oberstufe („Von Burg zu Burg von Basel-Land“ und „Kanufahren von Stein am Rhein nach Schaffhausen inklusive Hineinfallen“) sowie erstmalig einem Zeltlager der Primarstufe. Es war eindrücklich zu erleben, wie sich die Windböen im Verlauf der Ausflüge allmählich beruhigten und einem linden Lüftchen wichen.

Im Herbst 2010 bauten wir einen Tag lang bei wunderschönem Wetter zwei living- domes auf der Wiese hinter dem Schulhaus auf. Die luftigen aber doch stabilen Kuppeln aus Holzstäben und Ledermanschetten wurden von Schülern und Lehrern am Vormittag aufgebaut, über Mittag wurde ein Essen angeboten, Kinder spielten in den Klettergerüsten – am Abend war alles wieder verschwunden. Ein Sinnbild für das Wesen der eccola.

Schülerzahlen und Finanzen

Wir starteten das Schuljahr mit 10 Schülern, im zweiten Semester kamen zwei weitere hinzu, so dass die Klassen mit jeweils 6 Kindern bzw. Jugendlichen gut besetzt waren.

Zum Schuljahresende verliessen uns drei Schüler: Zwei Knaben wechselten zurück in die Regelschule (OS bzw. Sekundarschule), ein Jugendlicher beendete seine Schulzeit mit einem WBS-Abschluss.

Die Finanzlage hat sich durch die Vollbesetzung der Schulplätze positiv entwickelt, in diesem zehnten Jahr konnten wir zum ersten Mal eine bescheidene Rücklage bilden.

10 Jahre eccola

Seit der Eröffnung der eccola im August 2001 haben an die 70 Schüler für kürzere oder längere Zeit diese Schule besucht. Alle haben tiefe Eindrücke und starke Erinnerungen bei uns hinterlassen. Mit einigen stehen wir bis heute in Kontakt und verfolgen ihren weiteren Weg. Immer wieder hören wir, wie sehr sie die Zeit an der eccola im Rückblick schätzen, manche erlebten sie als echten Wendepunkt in ihrer Lebensgeschichte.

Die eccola ist eine Privatschule in dem Sinn, dass sie ihre Geschicke eigenständig lenkt. Sie nimmt im Unterschied zu andere Privatschulen ausschliesslich Schüler auf, deren Finanzierung aus öffentlichen Mitteln gutgesprochen ist (Kanton oder Wohngemeinde).
Unsere Einnahmen sind direkt mit den Schülerzahlen gekoppelt – und damit auch das zur Verfügung stehende Lehrerpensum. Dieses Risiko nehmen wir auf uns, weil es uns gleichzeitig die Freiheit lässt, konzeptionell und inhaltlich eigene Wege zu gehen.

Für diese beweglichen Reaktionen braucht es die geeigneten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. In den 10 Jahren des Bestehens der eccola hat sich um das Kernteam herum ein Netz von Menschen geknüpft, die bereit sind, sich an dieser Schule zu engagieren: als Begleitung auf Ausflügen, als Assistenzkraft im Klassenzimmer, als vorübergehend einspringende Lehrkraft für einen Einzelunterricht mit spezieller Zielsetzung, als Gastfamilie für Mittagstische, als Anleiter einer beruflichen Praktikumsstelle.

Es erfüllt uns mit Befriedigung, dass die Qualitäten der eccola nach 10 Jahren in der Schullandschaft Basel zunehmend geschätzt werden können. In der intensiven Zusammenarbeit mit Schulpsychologen (SPD), Kinderpsychiatern (KJPD und KJPK), Sozialarbeitern (AKJS und Vormundschaftsbehörden) sowie den zuständigen Abteilungen der Erziehungsdepartemente erleben wir Anerkennung und gute Zusammenarbeit auch in Zeiten sich verändernder Rahmenbedingungen. Hierfür sind wir dankbar.

Ebenso gilt unser Dank der Gemeinde Riehen, die uns mit den Verlängerungen des Mietvertrags für das Weissenbergerhaus ein Arbeiten unter optimalen räumlichen Bedingungen ermöglicht. Unser Interesse an einem längerfristigen Verbleib in diesem Haus haben wir kundgetan.

Schliesslich möchten wir uns bei unseren Unterstützern und Sponsoren bedanken:
Da wir das Schuljahr 2010/2011 Jahr mit einem positiven Geschäftsergebnis ab- schliessen konnten, waren wir nicht gezwungen, für den Schulbetrieb Fremdmittel in Anspruch nehmen zu müssen. Trotzdem durften wir von unseren langjährigen Sponsoren das ideelle zur Seite stehen erfahren. Dies ist uns nicht minder wichtig, und wir schätzen diese Anteilnahme in hohem Mass. Die Johanna Kahn-Stiftung hat uns durch Herrn Dr. Peter Recher hinsichtlich der Gebäude-Frage juristisch beraten.

Auf zusätzliche Mittel für spezielle Fördermassnahmen waren wir allerdings wie in den letzten Jahren immer noch angewiesen. Dank der spontanen Unterstützung durch die Stefanie + Wolfgang Baumann Stiftung konnten wir die therapeutische Einzelstunde für einen Primarschüler ab Januar 2011 weiterfinanzieren.

Ohne die langjährige Unterstützung durch die Stiftung Denk an mich, wären unsere Ausflüge gefährdet. Diese aber sind wichtiger Bestandteil unseres Stundenplans und würden bei Nichtstattfinden von Primar- und Oberstufe-Schülern schmerzlich vermisst.

Riehen, 30. September 2011
Christoph Martin
Schulleiter eccola

 

 

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2011/2012 Unser elftes Schuljahr

Team

Das vergangene Schuljahr stand im Hinblick auf das Team unter einem ruhigen Stern. In der Primarklasse arbeiteten Mirjam Binet, Sara Ramseier und Vincent Klein zusammen, in der Oberstufenklasse Sara Häusermann und Christoph Martin. Ursula Schäfer und seit dem Frühjahr Zora Marti unterrichteten zwei Schüler im Einzelunterricht. Margrit Stalder führte wie eh und je unsere Geschäfte und Korrespondenzen.

Darüber hinaus halfen bei zahlreichen Ausflügen, bei mehreren Lageraufenthalten und beim wöchentlichen Fussball: Norbu Tsering, Mathis Rickli, Noe Waldmann, Meret Halter, Irina Häusermann, Mirjam Erig, Boas Loeb, Selina Cerf, Stefan Hirschi.
Allen gilt unser Dank für ihre Offenheit und Stärke im Umgang mit den vielfältigen Herausforderungen des eccola-Alltags.

Neben den wöchentlichen Teamsitzungen hielten wir auch weiterhin im Dreiwochenrhythmus Supervision mit Herrn Christian Kläui. Wenn man das Geschehen an der eccola wie einen bunten Teppich sieht, an dem unermüdlich weitergewoben wird, so ist die Supervision der Moment, in dem Knoten entwirrt, Fäden auseinanderdividiert und neugeordnet werden, um hinterher mit neuem Überblick das Flechtwerk fortsetzen zu können.

Im März verbrachte unser Lehrerteam ein Wochenende im Pfadiheim in Ederswiler. Wir begannen dort mit der Umsetzung eines langgehegten Traumes, nämlich „alles einmal aufzuschreiben“. Die Idee, Geschichten, Verläufe, Schicksale einzelner Schüler während ihrer eccola-Zeit einmal festzuhalten, war bislang immer an mangelnder Zeit gescheitert. Nun nahmen wir uns ein ganzes Wochenende für diese Schreibwerkstatt und liessen es uns gut gehen dabei.

Am Ende des Schuljahres verabschiedeten wir Mirjam Binet in den bewegten Ruhestand. Sie hatte seit der Gründung der eccola die Primarklasse geführt, in den ersten Jahren in Vollzeit und allein verantwortlich, in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit jüngeren Kollegen, die nun ein gut bestelltes Feld übernehmen. Mirjam Binet hat die eccola mit geprägt und wird uns mit ihrer Lebendigkeit und Standfestigkeit sehr fehlen.

Schulleben

In unserem Schulalltag gibt es eigentlich kaum Alltägliches, ausser dass es jeden Tag wieder weiter geht.


Überraschungen erleben wir hingegen oft: Z.B. wenn ein Schüler urplötzlich den Stift in die Hand nimmt und anfängt eine Geschichte zu schreiben oder eine Rechnung zu lösen, was vorher monatelang völlig unmöglich war. Oder wenn ein anderer Schüler plötzlich zum ersten Mal regelmässig und pünktlich in die Schule kommt. Aber auch wenn die Fortsetzung eines Unterrichtsinhaltes, der gestern besonders gut angenommen wurde, heute grandios scheitert, und von den Schülern in der Luft zerrissen wird. Oder wenn ein Schüler den Treffpunkt des Skitages vergisst, sich dann aber ohne Geld und Ausweis mit einem Rollkoffer auf den Weg nach Deutschland macht und die Klasse auf der Skipiste auf dem Feldberg findet. Oder oder oder …

Inmitten der alltäglichen Überraschungen gibt es dann noch echte Ausnahmesituationen. Hierzu zählten im vergangenen Schuljahr mehrere Lageraufenthalte: eine Velotour mit Schlafen im Heu Anfang November führte uns von Schaffhausen nach Basel; eine zweite im Frühsommer von Basel in den Europapark. Beide Routen folgten als Fortsetzung der Kanutour des vorherigen Schuljahres dem Lauf des Rheins – wir werden sehen, ob irgendwann Holland erreicht werden kann.

Im Februar verbrachten wir eine Woche im Skilager in Bivio in einer abenteuerlich einfachen Unterkunft ohne Duschen, was für manche ein Segen und für andere eine Katastrophe bedeutete. Was für ein Erlebnis!

Im Mai feierten wir unser Jubiläumsfest zum 10-jährigen Bestehen der eccola.
Zum ersten Mal wagten wir es, eine Woche lang Schüler der Primarstufe mit den „Grossen“ aus der Oberstufe gemeinsam arbeiten zu lassen. Dies war bislang nur an unseren Weihnachtsfesten und im kleinen Massstab an den Fussballnachmittagen vorgekommen und tendenziell eher problematisch verlaufen – ein Grund dafür, dass wir die Klassen auch immer räumlich getrennt hatten.
Diese Projektwoche (in der unter anderem grosse Mengen Würste und Pesto produziert und eine Kugelbahn vom Estrich bis in den Hof gebaut wurde) zeigte uns, dass es sogar sehr bereichernd sein kann, wenn ältere Schüler jüngere an die Hand nehmen, diese ihnen behilflich sind und so eine emsige Atmosphäre des gemeinsamen Schaffens entsteht.

Wir hatten zu dem Fest Einladungen an alle (erreichbaren) ehemaligen Schüler und Schülerinnen geschickt, etwa 70 an der Zahl. Diejenigen, die dann trotz der Sophien-Kälte erschienen, erinnerten sich gemeinsam mit ehemaligen und jetzigen Lehrpersonen an ihre eccola-Zeit. Hauptfrage war immer wieder, ob „es“ heute noch genauso schlimm sei wie damals. Mehrmals mussten wir bestätigen, dass „sowas“ nie wieder geschehen sei. Es war eine grosse Freude, die Jugendlichen von damals nun als erwachsenwerdende junge Leute zu treffen und von ihrem jetzigen Leben zu hören. Auch in den Wochen nach dem Fest tauchte noch der eine oder andere auf, um sich seines Platzes in der Ahnengalerie zu vergewissern.

Schülerzahlen und Finanzen

Im vergangenen Schuljahr gingen wir an die Grenzen unserer personellen und räumlichen Kapazität. Die Primarklasse hatte im zweiten Semester 8 Schüler, was es nötig machte, sie in zwei kleine Gruppen zu teilen. Die OS besuchten 6 Schüler, 2 weitere Jugendliche erhielten Einzelunterricht.

Zum Jahresende traten insgesamt sechs Schüler aus:
2 Oberstufenschüler traten nach langer Vorbereitung in die öffentliche Schule über (WBS).
1 Schüler beendete mit erfolgreich bestandener WBS-Abschlussprüfung seine Schulzeit bei uns.
2 Primarschüler zogen ins Ausland und verliessen deshalb die Schule.
1 Primarschüler wechselte in ein Schulheim.

Aufgrund der hohen Belegung hatten wir im vergangenen Jahr auch einen deutlich erhöhten Aufwand an Lehrergehältern. Trotzdem konnten wir am Ende des Geschäftsjahres eine stabile Entwicklung der Finanzen feststellen und sehen so der Zukunft zuversichtlich entgegen.

Spannend ist die Frage, welche Aufgabe die eccola in einer sich verändernden Schullandschaft haben wird. Die staatliche Volksschule, die kantonsübergreifend in den kommenden Jahren umgesetzt werden wird, wird auch zu einer veränderten Bedarfslage an Schulplätzen für Kinder und Jugendliche in Schulschwierigkeiten führen. Es ist noch nicht absehbar, wie sich dies auf unsere kleine Schule auswirken wird. Die positive Anerkennung unserer Arbeit, die wir seitens der Volksschulämter und Fachstellen erhalten, macht uns Mut. Und die Schüler, die es zu uns verschlägt, zeigen uns sehr deutlich, dass es diesen Ort unabhängig der Schulpolitik weiterhin braucht.

Dank für Unterstützung

Nach wie vor geht unser Dank an die Gemeinde Riehen, die uns weiterhin im Weissenbergerhaus Domizil gewährt – zu gleichbleibend günstigen Konditionen. Wir wissen diese Art der finanziellen aber auch ideellen Unterstützung sehr zu schätzen. Auf den Schulanfang im August 2011 hin haben wir in eigener Regie die oberen Schulzimmer, Hausgang und Treppenhaus und das Lehrerzimmer in hellen, teils leuchtenden Farben streichen lassen.

Dank der Unterstützung der Stefanie und Wolfgang Baumann-Stiftung vom letzten Schuljahr konnten wir einem PS-Schüler bis zu seinem Austritt im Juni 2012 eine wöchentliche Einzelstunde bei Frau B. Wisselaar bieten, was mitgeholfen hat, ihn weiterhin in der Klasse zu tragen.

Auch der Stiftung Denk an mich gilt unser Dank, die schon seit vielen Jahren mit ihrem Beitrag dafür sorgt, dass wir die wöchentlichen Ausflüge in den Wald, zum Kegeln, Schlittschuhlaufen oder Schwimmen aufrechterhalten können.

Riehen, 30. September 2012
Christoph Martin
Schulleiter eccola

 

 

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2013/2014 Unser zwölftes Schuljahr

Team

Ein bewegtes Jahr liegt hinter uns.

Zweimal konnten wir mehrwöchige Abwesenheiten dank kompetenter Vertretungen überbrücken. Es ist jedes Mal ein Wagnis, eine neue Lehrperson für einen begrenzten Zeitraum in das fragile Gefüge einer Klasse zu schicken, und es war ein Glück für die Schüler, dass Mirjam Binet ihren gerade begonnenen Ruhestand unterbrechen und die Vertretung in der Primarklasse übernehmen konnte. Entsprechend dankbar sind wir auch Joscha Baltes, der vier Wochen in der Oberstufenklasse einsprang und mit seiner natürlichen Autorität und mit jugendlichem Schwung schnell das Vertrauen der Schüler gewinnen konnte.

Im November traten drei neue Schüler ein, für welche wir unter der Leitung von Frau Schäfer eine zusätzliche Klasse einrichteten.

All dies brachte wiederholt Umstellungen in den Klassenzusammensetzungen und Stundenplänen sowohl der Schüler als auch der Lehrpersonen mit sich. Die daraus resultierende Unruhe bekamen wir deutlicher zu spüren, als wir vorausgesehen hatten.

In unseren Team- und Supervisionssitzungen beschäftigen wir uns im vergangenen Jahr neben dem Tagesgeschäft mit der Frage, wie wir Lehrpersonen auf Dauer dem eccola-Alltag (ein Fachkollege verwendete den passenden Begriff „pädagogische Millimeterarbeit“) guten Mutes gewachsen sein können. Die Zusammenarbeit innerhalb des gesamten Teams bildet, so sind wir uns einig, die Basis hierfür. Wir arbeiten daran, den Austausch unter uns offen und effektiv zu gestalten. Die geringe Fluktuation im Team verstehen wir als Anzeichen, dass uns dies schon recht gut gelingt.

Am Ende des Schuljahres verabschiedeten wir Ursula Schäfer in den Ruhestand. Sie hatte – mit einer längeren Unterbrechung – seit der Anfangszeit der eccola wechselnde Aufgaben erfüllt als Klassenlehrerin und im Einzelunterricht. Ihre grosse menschliche Erfahrung und ihr präzises Fachwissen werden uns ebenso fehlen wie ihr produktives Querdenken.

Schulleben

Die Alltagsstimmung an der eccola ist seit eh und je starken Schwankungen unterworfen. Manchmal ist es geradezu fröhlich und friedlich, im nächsten Moment entsteht – nur vermeintlich „aus dem Nichts“ – eine Krise und führt zu heftigsten Streitereien. Oft, aber nicht immer, sind diese Auseinandersetzungen zwischen den Schülern schlagartig beendet, sobald der Schulmorgen vorüber ist. Man sieht dann die Streithähne einträchtig auf dem Weg zum Tram oder Bus. So ernst der Streit im Klassenzimmer auch war, in der Regel ist er vorbei, sobald der Raum Schule ver-lassen wird.


Das zeigt sich auch auf schulischen Unternehmungen ausserhalb des Klassenzimmers.
Mittlerweile gehören mehrtägige Ausflüge und Lager fest zu unserem Jahresprogramm. Für die Schüler und Schülerinnen stets Anlass zu grosser Vorfreude und noch grösserer Vorangst, stiften diese doch Gemeinsamkeit wie sonst kaum etwas.
Im vergangenen Schuljahr gingen wir eine Woche ins Skilager, 4 Erwachsene und 7 Schüler auf über 2000 Meter im Wallis. Eine intensive und anstrengende Woche. Vor den Sommerferien unternahmen die Schulabgänger eine Reise nach Korsika, womit ein lange gehegter Traum verwirklicht wurde.

Ein ganz anderer Aspekt unseres Schulalltags sei hier erwähnt: Das „Gedicht der Woche“, das jeden Montagmorgen im Fenster des Sekretariats ausgehängt wird. Von Margrit Stalder mit Liebe zur Poesie und Gespür für den richtigen Zeitpunkt ausgewählt, erfreut es sich wachsender Beliebtheit unter der Riehener Bevölkerung. Nicht wenige machen auf dem Weg vom Bahnhof oder der Post ins Dorf einen kleinen Umweg, bleiben stehen und lesen das aktuelle Gedicht. Für uns ist dies ein Beitrag zur Kultur der Gemeinde Riehen jenseits der grossen Museen und Veranstaltungen.

Schülerzahlen und Finanzen

Schulkrisen halten sich nicht an Jahrespläne – es gehört zu unserem Profil, dass wir uns bemühen, auch im laufenden Schuljahr Aufnahmen zu ermöglichen. Im vergangenen Jahr wurden wir sehr gefordert in dieser Hinsicht. Die oben erwähnte Öffnung einer dritten Gruppe sorgte für intensiven Betrieb. Mit den Mehreinnahmen konnten wir die deutlich gestiegenen Lohnkosten ausgleichen.

Bereits während des Schuljahres hatten wir zwei Austritte: Ein Schüler trat Anfang Januar in eine WBS-Kleinklasse über, wo er sich seither auf seinen Schulabschluss vorbereitet; ein weiterer Bub aus der Primarschule wechselte überraschend den Wohnort und trat deshalb im Frühjahr aus.

Zum Schuljahresende gab es weitere Austritte: Zwei Schüler verliessen die Schule zum Ende ihrer schulpflichtigen Zeit – beide nach erfolgreichem Abschluss. Ein dritter brach die Schule vorzeitig und ohne Abschluss ab.

Unsere finanzielle Situation ist nun seit ein paar Jahren durchgehend stabil, was uns davor bewahrt, in altbekannte Existenzängste zu verfallen, wenn der Start in ein neues Schuljahr nicht mit Vollbesetzung erfolgt.
Ins neue Schuljahr starten wir mit 5 Primar- und 4 Oberstufenschülern. Diese Zahlen bieten uns in begrenztem Umfang die Möglichkeit, weitere Schüler innerhalb des laufenden Schuljahres aufzunehmen.

Dank für Unterstützung

Wie auch in den letzten Jahren, sind wir der Gemeinde Riehen dankbar für die kostengünstige Miete und das unkomplizierte Vorgehen bei kleinen Notfällen, wenn z.B. an einem eiskalten Dezembermorgen die Heizung nicht läuft! Wir fühlen uns wohl im Weissenbergerhaus, – es ist unser Zuhause, und wir hoffen noch recht lange hier bleiben zu dürfen. Wir haben auf den letzten Jahreswechsel auf eigene Rechnung eine neue Küche einbauen lassen, um Hauswirtschaftsunterricht durchführen zu können.

Weiterhin treue Unterstützung erhielten wir von der Stiftung Denk an mich, mit deren Hilfe unsere Schülerinnen und Schüler schon seit vielen Jahren einmal pro Woche etwas ausserhalb der Schule unternehmen können: sei es ein Ausflug in den Wald, ein Kegel-Match, Schlittschuhlaufen oder Schwimmen – aber auch ein Zustupf für die grösseren Projekte wie mehrtägige Lager oder Velotouren. Auch dafür möchten wir uns bestens bedanken.


Riehen, 16. September 2013
Christoph Martin
Schulleiter eccola

 

 

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2013/2014 Unser dreizehntes Schuljahr

Team

Wir blicken auf ein arbeitsreiches Schuljahr zurück.

Unser Team blieb personell unverändert, und die Vertrautheit und Kontinuität unter den „eccolanern“ wirkt sich sehr positiv auf unsere pädagogische Arbeit aus. Sie eröffnet auch den Raum für vertiefende Auseinandersetzung innerhalb des Teams. Wir arbeiten daran, die bestehenden Strukturen zu durchleuchten, zu hinterfragen, neu zu definieren – ein Prozess, der weiter andauern wird.

Bereits seit über 2 Jahren erhalten wir Unterstützung von Susanne Schlegel, pensionierte Kleinklassenlehrerin. Sie kommt einmal alle 14 Tage an einem Nachmittag mit Biglia, ihrem Hund, in den Unterricht der Primarklasse. Biglia ist ausgebildete Sozialhündin, sie spiegelt den Kindern mit ihrem extrem feinen Gespür für atmosphärische Bewegungen jede Aktion sofort zurück. Die Schüler und Schülerinnen haben sie sehr ins Herz geschlossen.

Dankend erwähnen möchte ich auch unsere Raumpfleger, die Eheleute Dzeladini, die seit vielen Jahren unermüdlich jede Woche für Sauberkeit in den Klassenzimmern sorgen und sich auch von Verschmutzungen der wilderen Art nie aus der Ruhe bringen lassen.

Für das kommende Schuljahr haben wir die Anerkennung als Zivildienststelle erhalten. Wir freuen uns, ab August unseren ersten Zivi ins Team aufzunehmen. Er wird uns mit Unterrichts- und Ausflugbegleitung sowie mit Arbeiten in Haus und Hof unterstützen.

Im abgelaufenen Schuljahr ist es uns gelungen, nach längerer Vorarbeit einen lange gehegten Wunsch zu verwirklichen: Wir haben eine neue Lohnsystematik eingeführt, die eine kontinuierliche Lohnprogression mit zunehmender Arbeitserfahrung vorsieht. Damit tragen wir der Tatsache Rechnung, dass die eccola die Gründungsphase weit hinter sich gelassen hat und in der Basler Schullandschaft mittlerweile einen sehr guten Ruf geniesst.

Schulleben

Das Schuljahr begann mit einer aussergewöhnlichen Aktion: Den Rheinspaziergängen, deren Eindrücke die Schüler und Schülerinnen in Gedichten formulierten, welche dann in vertonter Fassung im Rahmen der Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen der Basler Eule in Gare du Nord aufgeführt wurden. Unter der musikalischen Leitung von Sylwia Zytynska gelang eine sehr eindrückliche Aufführung. Für alle, die diese nicht miterleben konnten, hier nochmals eines der Gedichte:

Die färe ist das Herz von Basel.
Ich will Färi fahren.
Ich will Döner essen.


Im Dezember veranstalteten wir zum ersten Mal seit Bestehen der eccola kein „Weihnachtsfest“, sondern ein „Winterfest“: Wir wanderten in der einbrechenden Dunkelheit von Gempen durch den Wald zur Ermitage in Arlesheim, wo wir am offenen Feuer Suppe und Brot assen und das traditionelle „Wer ist wer?-Rätsel“ knackten. Krönender Abschluss waren die feurigen Spuren, die die Schülerinnen und Schüler mit Pois, brennenden Feuerkugeln, in die dunkle Nacht zeichneten.

Im Januar folgten zwei Skitage in Engelberg, ein ereignisreiches und anstrengendes Unterfangen.
Merke:
- manche können mit dem Schlitten schneller fahren als andere auf Ski
- auch in Gondelbahnen kann es einem schlecht werden
- wer mit nacktem Oberkörper die lange Skiabfahrt macht, dem ist es hinterher kalt

In der vorletzten Schulwoche gab es eine Zirkusaufführung der Schüler. Begleitet von Trommeln und Perkussion unter der Leitung unseres früheren Trommellehrers Tilo Wachter präsentierten sich die eccola-Artisten mit atemberaubenden Kunststücken. Ein sehr gelungener Auftritt, welcher die geladenen Gäste erfreute.

Zu guter Letzt führte uns die Schulreise ins Tessin – für mehrere Schüler war es die Abschiedsreise. 1000 Meter Aufstieg am Monte Lema im einsetzenden Regen! – da war der Berggasthof am Gipfel mehr als willkommen. Am folgenden Tag ging es wieder abwärts, mit dem Zug nach Rivera und dort ins moderne Hallenbad mit dem bezeichnenden Namen Splash and Spa.

Dies waren die sichtbaren Höhepunkte des abgelaufenen Schuljahres. Beinahe noch wichtiger sind uns die weniger ins Auge fallenden Momente, wenn zum Beispiel ein Schüler zum ersten Mal seit über einem Jahr aufstreckt, bevor er etwas sagt, ein anderer sein neues Etui stolz vorweist, ein dritter ein lange gehütetes bedrohliches Geheimnis preisgibt und wieder ein anderer nach einem mehr als unerfreulichen Schulmorgen am Schluss eben doch mit strahlenden Augen nach Hause geht … oder oder oder. Alltag.

Schülerzahlen und Finanzen

Wir starteten in das Schuljahr 2013 / 2014 mit einer 5er- und einer 4er-Klasse. Im Verlauf des Schuljahres traten ein Schüler und eine Schülerin aus, beide wechselten aus familiären Gründen in Internate.
Ebenfalls noch im laufenden Schuljahr traten drei neue Schüler ein.
Beide Klassen waren somit gerade ausreichend besetzt – für eine ausgeglichene Bilanz sind wir im Jahresdurchschnitt auf fünf Schüler pro Klasse angewiesen.

Zum Schuljahresende traten vier weiter Schüler aus:
Zwei konnten in die Regelschule integriert werden (WBS E-Zug, bzw. Sek A).
Ein dritter Schüler wechselte in ein Internat.
Eine Schülerin beendete ihre Schulzeit mit einem WBS-Abschluss in Deutsch und Mathe und wird im Anschluss die Schule für Brückenangebote / Vorlehre besuchen.

Mit fortschreitender Umsetzung der Integrationsbemühungen an den Regelschulen zeichnet sich momentan eine sinkende Nachfrage nach separativen Schulplätzen für Schüler in Schulschwierigkeiten ab. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Entwicklung mittelfristig auf die eccola auswirkt. Das neue Schuljahr 2014 / 2015 werden wir mit einer deutlichen Unterbesetzung beginnen.

Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen jedoch, dass es immer einzelne Kinder und Jugendliche gibt, die sich allen noch so gut geplanten und gemeinten Integrationsversuchen verweigern. Für sie steht die Tür der eccola offen.

Dank für Unterstützung

Immer noch ist unsere Schule im Weissenbergerhaus eingemietet – zu den immer gleichbleibend günstigen Konditionen. In treuer Regelmässigkeit teilt uns Herr Krähenbühl, Liegenschaftsverwalter der Gemeinde Riehen, die jeweilige Verlängerung um ein weiteres Jahr mit. Seine Besuche haben schon fast etwas von einem Ritual. Wir sind dankbar dafür und fühlen uns immer noch wohl im alten Haus.

Von der Johanna Kahn-Stiftung durften wir eine Summe von CHF 5'000.– entgegennehmen, welche uns erlaubt, neben den wöchentlichen Ausflügen auch Schulreisen, Lager, Abschiedsreisen zu unternehmen. Wir bedanken uns herzlich dafür.


Riehen, 29. August 2014
Christoph Martin
Schulleiter eccola

 

 

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2014/2015 Unser vierzehntes Schuljahr


„Kontinuität und Wechsel": unter diesen Titel könnte man das vergangene eccola-Jahr stellen.
Beharrliche und geduldige Kontinuität – sich nicht entmutigen lassen von Rückschlägen, nicht allzu euphorisch werden bei Fortschritten.
Langsames und gerades Voranschreiten wie in einer Karawane von Elefanten.
Wechsel im täglichen Geschehen zwischen Annäherung und Abstossung, zwischen Kooperation und Widerstand, zwischen vor- und rück- und seitwarts. Bewegliches Agieren und Reagieren wie in einer Horde kleiner Äffchen.

Team

Als neue Lehrkraft konnten wir mit Claudine Liechti eine passende Erganzung für unser Team gewinnen. Im ersten Semester unterrichtete sie Einzellektionen, stieg dann am Beginn des zweiten Semesters in eine unserer beiden Klassen ein und ist mittlerweile bereits ganz „eccolanerin".
Ebenfalls neu übernahm Susanne Waldmeier eine kleines Pensum als Französischlehrerin im Einzelunterricht.
Unverändert blieb der Stamm des bisherigen Teams: Sara Ramseier, Vincent Klein, Christoph Martin und Zora Marti im Gruppen- oder Einzelunterricht sowie Margrit Stalder im Sekretariat.
Ab August 2014 konnten wir zum ersten Mal eine Zivildienststelle besetzen. Im ersten Semester hatten Yanik Pankrath, im zweiten Loris Gfeller vielfältige Aufgaben zu erfüllen zwischen Klassenassistenz und Abwartarbeiten - langweilig wurde es ihnen nie. Im alltäglichen Schulbetrieb ist der Zivildienstleistende eine spürbare Entlastung für uns, über die wir sehr froh sind.
Vor dem Sommer endete die 6-jährige Zusammenarbeit mit unserem Supervisor Dr. Christian Kläui, der uns (ebenfalls beharrlich, geduldig und beweglich) im Dreiwochenrhythmus durch sein präsentes und offenes Hören ungemein bereichert hat und dem wir hierfür sehr dankbar sind.
In Zukunft findet diese Arbeit ihre Fortsetzung in neuem Rahmen bei Frau Dr. Dietlind Antusch.
In einer internen Weiterbildung während des Dreitageblocks beschäftigten wir uns mit den konzeptionellen Grundlagen der eccola. Mit Schulgründerin Brigitte Wisselaar und Stiftungsratmitglied Silvia Villiger führten wir ein Gespräch über „Ausdrucksanalyse und Pädagogik" und beschäftigten uns im Anschluss mit der
Frage, wie diese auf der Psychoanalyse Jacques Lacans basierende Methode in unserem Schulalltag umgesetzt wird und ihre Wirkung entfaltet.

Schulleben

Höhepunkt der vergangenen Primarschuljahres war die Aufführung des Theaterstücks „Mio mein Mio". In langwieriger Arbeit war das Buch von Astrid Lindgren gelesen, ein Theaterskript geschrieben, kleine Stop-Motion-Filme produziert, grosse Bühnenbilder gemalt und die Rollen gelernt worden. Bei der Probenarbeit und beim Malen der Bühnenbilder stand der Erfolg dieses Projekts mehr als einmal auf der Kippe, weil Streit unter den Schauspielern ausbrach oder Angst sich breitmachte. Am Schluss gab es eine berührende Aufführung im Theater Arlecchino.
Wieder einmal konnten wir miterleben, wie die bevorstehende Rückkehr eines Schülers in die Regelschule sich auf alle Beteiligten auswirkt.
Seitens des Schülers selbst steigt die Vorfreude proportional zur Angst: Ich will das schaffen, aber schaffe ich es auch wirklich? Ähnliche sorgenvolle Gedanken machen sich auch seine Eltern.
In den Äusserungen der Klassenkameraden, die noch nicht parat sind für den Übertritt, zeigen sich in diesen Wochen und Monaten extrem widerstreitende Gefühle: Die Bewunderung für den in Aussicht stehenden Erfolg wechselt sich ab mit Neid und Missgunst, die Unsicherheit über den eigenen weiteren Weg führt mitunter zu heftigen Anfeindungen des sich verabschiedenden Schülers. So ist dies meist eine konstruktiv angespannte Phase, die erst mit dem faktischen Aus- und Übertritt zu einem Ende kommt.

Schülerzahlen und Finanzen

Wir starteten in das Schuljahr 2014 / 2015 mit einer 3er- und einer 4er-Klasse. Im laufenden Schuljahr traten zwei weitere SchülerInnen ein.
Ausserdem erhielten zwei Jugendliche Einzelunterricht, wovon einer einen guten Schulabschluss bei der Volksschule Basel erreichen konnte und die andere noch für eine weiteres Schuljahr bei uns bleibt.
Eine Schülerin trat sehr überraschend vor Ostern aus.
Zum Schuljahresende 2015 traten drei weitere Schüler aus:
Einer konnten in die Regelschule integriert werden (1. Sek, E-Zug).
Ein zweiter Schüler wechselte in die neue Tagessonderschule in Dornach.
Ein Schüler beendete seine Schulzeit mit einem Volksschulabschluss in Deutsch und Mathe und wird im Anschluss eine IV-gestützte Lehre absolvieren.
Eine Jugendliche trat im Herbst 2014 mit dem Ziel eines Schulabschlusses ein und keine 8 Wochen später wieder aus – auch solche Geschichten schreibt die eccola.
Unsere Schulplätze waren auf den Jahresdurchschnitt gerechnet leicht unterbesetzt, gefühlt gab es allerdings mehr als genug zu tun.

Dank für Unterstützung

Ein weiteres Mal geht unser Dank an die Gemeinde Riehen – wir sind nach wie vor im Weissenbergerhaus eingemietet; Schüler und Lehrerschaft fühlen sich wohl - wir mögen unser Schulhaus.


Riehen, 28. September 2015
Christoph Martin
Schulleiter eccola

 

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2015/2016 Unser 15. Schuljahr

Team

Im vergangenen Schuljahr gab es im eccola-Team keine wesentlichen Veränderun­gen. Vincent Klein (der nebenbei seine Masterprüfung in Heilpädagogik ablegte) und Claudine Liechti unterrichteten die älteren Primar- und Sekundarschüler, Sara Ramseier und ebenfalls Claudine Liechti die jüngeren Primarschüler, Zora Marti, Susanne Waldmeier und Christoph Martin die SchülerInnen, die sich auf die Ab­schlussprüfung vorbereiteten.
Im Sekretariat waltete Margrit Stalder unermüdlich ihres Amtes, dies nun bereits seit 15 Jahren.
Zwei Zivildienstleistende (1. Semester Patrick Riegger, 2. Semester Kenan Brunner) unterstützten uns im Unterricht und bei den Ausflügen und hielten das Haus in Ordnung - ihre Arbeit war sehr wertvoll für uns.
Zur Supervision traf sich das gesamte Team regelmässig in Frau Dr. Antuschs Praxis, eine Veränderung gegenüber den bisherigen Sitzungen mit Dr. Emil Kobi und Dr. Christian Kläui, die jeweils in der eccola stattgefunden hatten. Auch inhaltlich änderte sich die Vorgehensweise in den Sitzungen, Frau Antusch hat neben einem analyti­schen auch einen familiensystemischen Hintergrund, was sich in der Arbeit deutlich zeigte und uns neue Blickwinkel auf die Geschichten unserer Schüler eröffnete.

Schulleben

Abschlussprüfung – bitte Ruhe! steht auf dem leuchtend roten Schild, das jeweils an einem Tag gegen Ende Mai im Eingang der eccola aufgehängt wird – immer dann, wenn wieder ein oder zwei Schüler ihre schriftlichen Prüfungen für den Volksschulab­schluss absolvieren.

Das sorgt jedesmal für grosses Erstaunen bis hin zu Fassungslosigkeit bei den jün­geren Schülern: Was, kann man hier einen Abschluss machen? Hinter dieser Frage könnte man zwei weitere vermuten: Kann man hier soweit kommen, einen Abschluss zu bestehen? und noch gewichtiger: Muss bzw. darf ich noch solange hier bleiben?

Einer von vielen Momenten, in denen die Schüler und Schülerinnen sich mit ihrer Situation konfrontieren und auseinandersetzen. Das ist durchaus gewollt und stellt einen zentralen Teil des Prozesses dar, den eccola-Schüler durchlaufen, um irgend­wann wieder ihren Platz im Gefüge einer Regelschule einnehmen zu können. Das ist es, was mit dem Ausdruck „sich auf konstruktive Weise ihres Scheiterns gewahr wer­den" in unserem pädagogischen Konzept gemeint ist. Nicht ein wöchentliches Ge­spräch mit dem Schüler, in dem ihm das Positive und Negative seines Verhaltens und seiner Arbeitshaltung aufgezählt wird, keine theoretisierenden Zielformulierun­gen wie „soll sich besser in die Gruppe einfügen lernen", sondern echte Betroffenheit, Anteilnahme, persönliche Auseinandersetzung, Halt-Geben.
Dass dies mal mehr und mal weniger gut gelingt, zeigt sich auch in der Art und Weise, wie Schüler sich von uns verabschieden. Manche zelebrieren ihren Abschied bereits Monate im Voraus, andere verschwinden sang- und klanglos. Manche sehen wir nie mehr wieder, andere trifft man zufällig irgendwo in der Stadt, und nicht wenige kommen früher oder später auf Besuch, um von ihrem Nach-eccola-Leben zu berich­ten, oft mit Stolz, was aus ihnen geworden ist. Ein ehemaliger Schüler formulierte es so:
„Ich komme heute zu Besuch aus nostalgischen, um nicht zu sagen sentimentalen Gründen."

 

Schülerzahlen und Finanzen


In unseren beiden Klassen gab es viel Bewegung im vergangenen Schuljahr.

In der Primarstufe traten drei SchülerInnen nacheinander aus:
Ein Schüler wechselte im Januar nach langen eccola-Jahren aus familiären Gründen in ein Schulheim.
Einem zweiten gelang im März nach langer Vorbereitungszeit der endgültige Übertritt in eine Regelschule. Von ihm erhalten wir noch ab und zu Post.
Eine dritte Schülerin wechselte den Wohnkanton und verliess deshalb die eccola.
Die Primarklasse wurde parallel zu diesen Austritten komplett neu besetzt, es traten zwischen August 2015 und April 2016 fünf neue Schüler ein und bildeten eine neue Gruppe - ein Prozess, der sich nicht gerade einfach gestaltete.

In der Sekundarklasse gab es ebenfalls drei Austritte:
Ein Schüler wechselte im Februar 2016 in die WBS Basel-Stadt (E-Zug).
Ein Schüler verliess die Klasse im Juni in Richtung Spezial-Angebot der Volksschu­len Basel.
Eine Schülerin wechselte ebenfalls im Juni innerhalb der eccola in das Einzelbeschu­lungs-Angebot für Schulabgänger.
Im April und im Mai wurden die beiden freigewordenen Plätze neu besetzt.

Zwei SchülerInnen besuchten im vergangenen Jahr unser Einzelbeschulungsange­bot für Schulabgänger. Beide nahmen am Ende des Jahres erfolgreich an der Ab­schlussprüfung der Volksschule BS teil. Zudem fand einer im Anschluss an die eccola eine geeignete Lehrstelle als Metallbauer. Für die zweite Schülerin gab es keine geeignete Anschlusslösung; sie repetiert jetzt ihr letztes Schul­jahr mit dem Ziel, einen beruflichen Einstieg zu finden.

Wie man sieht, war das abgelaufene Schuljahr von vielen Wechseln seitens der Schülerschaft geprägt. Das brachte immer wieder Umstellungen und neue Konstella­tionen mit sich. Finanziell gesehen war es für uns ein Glück, dass auch die unter dem Jahr freiwerdenden Plätze zügig wieder besetzt werden konnten. Dies schlug sich in einem verlustfreien Ergebnis am Ende des Rechnungsjahres nieder.


Dank für Unterstützung

Nach wie vor geht unser Dank an die Gemeinde Riehen, die uns weiterhin im Weis­senbergerhaus Domizil gewährt - zu gleichbleibend günstigen Konditionen. Wir wis­sen diese Art der finanziellen aber auch ideellen Unterstützung sehr zu schätzen.

Eine ganz spontane und grosszügige finanzielle Unterstützung wurde uns kurz vor Ablauf des Schuljahres durch die Sulger-Stiftung zuteil. Mit dem grösseren Teil konnten wir einen schon lange gehegten Wunsch in die Realität umzusetzen: Im Keller befindet sich nun – fast fertig – ein Bandraum, frisch gestrichen, mit neuem Teppichboden ausgestattet (hier geht unser herzlicher Dank an Roland Saner, der uns diesen Teppich nicht nur ins Haus lieferte, sondern ihn gleich auch noch zum Geschenk machte), neu eingerichtet und bestückt mit einer funkelnagelneuen Musikanlage.
Einen weiteren Teil der uns gestifteten Summe werden wir im neuen Schuljahr in neue Elektronik für den Schulbedarf investieren.
Wir möchten uns an dieser Stelle bei der Sulger-Stiftung sehr herzlich bedanken.

Auch noch vor Ablauf des Schuljahres haben wir auf eigene Rechnung und zum Teil in Eigenarbeit alle Fensterläden am Schulhaus neu gestrichen. Dadurch erhielt das Faltengesicht der doch schon ziemlich in die Jahre gekommenen Fassade ein frisch leuchtendes make-up.

Riehen, 20. September 2016

Christoph Martin
Schulleiter eccola

 

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2016/2017 Unser 16. Schuljahr

Team


Im vergangenen Schuljahr unterrichteten unverändert Sara Ramseier, Claudine Liechti und Vincent Klein in den beiden Kleingruppen der Primar- und unteren Sekundarstufe. Daneben erhielten vier ältere Schüler (8./9. Schuljahr) Einzelunterricht, sie wurden von Susanne Waldmeier, Ursula Schäfer, Till Lauer und Christoph Martin unterrichtet.
Im ersten Semester unterstützte uns der Zivildienstleistende Yann Schaub. Im zweiten Semester konnten wir die Zivildienststelle erstmals seit ihrem Bestehen nicht besetzen; dankenswerterweise sprang sehr kurzfristig unser erster Zivi Yannick Pankrath ein.
Margrit Stalder sorgte im Sekretariat routiniert und humorvoll für organisatorische Ordnung. Das Ehepaar Dzeladini sorgte unverdrossen Woche für Woche für saubere Räume.
Jeden zweiten Freitag kam Susanne Schlegel mit Hündin Biglia in die Primarklasse zu Besuch. Für die Schüler war es immer ein Highlight, wenn sie zum Abschluss des Schulmorgens mit Biglia spazieren gehen durften.
Alle drei Wochen trafen wir uns mit Frau Dr. Antusch zur Supervision, mit dem immer wieder erstaunlichen Effekt, den diskutierten „Fall" häufig am folgenden Tag mit ganz neuen Augen sehen zu können.

Abschiede
Das Ende des Schuljahres war von einigen Abschieden geprägt: Nicht nur verliessen uns mehrere Schüler (s.u.), sondern es verabschiedeten sich auch Lehrpersonen: Claudine Liechti und Vincent Klein wechselten beide an neue Arbeitsstellen, was einen grossen Verlust für unser Kernteam bedeutet. Ihre Pensen werden ab dem Beginn des neuen Schuljahres von Till Lauer, Sara Häusermann und Florence Vonlanthen übernommen.
Susanne Waldmeier und Ursula Schäfer, beide bereits im Pensionsalter und durch ihre Erfahrung eine grosse Bereicherung in unserem Team, beendeten ihre Mitarbeit, um sich nun voraussichtlich endgültig in den Ruhestand zu begeben.
Ebenfalls in den Ruhestand ging Biglia und mit ihr Susanne Schlegel.
Allen sei hiermit von Herzen Danke gesagt für ihr jahrelanges Engagement für die eccola und ihre Schüler!

 
Schulleben

 

„ Das isch kai normali Schuel!!!"

Diese Feststellung kriegen wir häufig zu hören, wenn Schüler neu an der eccola eintreten.

Zwei entgegengesetzte Interpretationen könnten in den Sinn kommen:
„Wo bin ich denn hier gelandet, hier spinnen alle ausser mir!"
„Wo bin ich denn hier gelandet, endlich kann ich mal so richtig spinnen!"

In der Regel wird dann in einem nächsten Schritt die Lehrperson unter die Lupe genommen. Lehrer in einer „nicht normalen" Schule zu sein heisst dann ja logischerweise, kein „normaler Lehrer" zu sein.
In ihren Reaktionen auf diesen Gedanken unterscheiden sich die Schüler sehr: der eine wittert seine Chance, sich kollegenhaft zu verbünden, ein anderer testet die Vertrauenswürdigkeit der Lehrperson aufs bitterste, und ein dritter schwingt sich zum Oberlehrer auf in dem verzweifelten Versuch, die anderen und wohl auch sich selber in der ihm vertrauten (aber eben doch gescheiterten) Weise zu disziplinieren.

Spätestens hier gerät eine weitere Person in den Fokus: Man selber. Wie konnte es geschehen, dass man selber an eine „nicht normale Schule" gerät? Unversehens stellt sich die Frage nach der eigenen Normalität.

Menschen sind unterschiedlich in ihrem Bedürfnis, als normal anerkannt zu werden. Wenn sie aber, zumal als Jugendliche, durch ihr Verhalten aus den (schulischen) Normgrenzen fallen, wird es zur Überlebensfrage: „Ich bin doch nicht behindert!" Von genau diesem Punkt aus kann dann der lange und mitunter sehr mühselige Weg zurück in die „normali Schuel" in Angriff genommen werden.

So gesehen ist er gewollt, dieser erste Ausruf.

Dabei gibt es ja auch durchaus Normales im eccola-Alltag: ganz gewöhnliche Unterrichtslektionen, Ausflüge mit friedlich spielenden Kindern und plaudernden Jugendlichen, gemachte und nicht gemachte Hausaufgaben, Schnupperwochen in Lehrbetrieben, einen Schlitteltag mit der ganzen Schule, eine wunderbare Theateraufführung mit Stabpuppen (der kleine Hobbit), eine Abschlussreise ins Technorama, und und und...

 

Schülerzahlen und Finanzen


Unsere beiden Gruppen waren im vergangenen Schuljahr anfänglich mit 5 bzw. 3 Schülern besetzt. 4 Schüler erhielten Einzelunterricht.
Während des Jahres gab es zwei unvorhergesehene Austritte.
Im Juni beendeten zwei Schülerinnen ihre schulpflichtige Zeit mit der Teilnahme an der Abschlussprüfung der Volksschule Basel.

Das Schuljahr 2016/2017 zeigte, wie schnell nicht ausgelastete Schulplätze zu einem finanziellen Engpass führen können. Nur Dank der soliden Abschlüsse der Vorjahre müssen wir uns momentan nicht ernsthaft sorgen.

Unser Dilemma besteht darin, dass seitens der Volksschule das Angebot der eccola geschätzt und für notwendig erachtet wird, jedoch keine Platzgarantien übernehmen werden können. Der Vergleich mit der Notfallstation des Spitals, die nur Geld bekommt, wenn auch Patienten auftauchen, hinkt vielleicht, aber doch nur ein wenig. Die eccola ist wertvoll für die Regelschule, wenn sie möglichst jederzeit freie Plätze für Notfälle bereithält. Handkehrum kann sie auf Dauer nur Bestand haben und flexibel auf kurzfristige Anfragen reagieren, wenn sie möglichst solid belegt ist.

 

Dank für Unterstützung


Nach wie vor geht unserDank an die Gemeinde Riehen, die uns weiterhin im Weissenbergerhaus Domizil gewährt - zu gleichbleibend günstigen Konditionen. Wir wissen diese Art der finanziellen aber auch ideellen Unterstützung sehr zu schätzen.

Riehen, 25.09.2017

Christoph Martin
Schulleiter eccola

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